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 | Deutsches Jugendinstitut

Monatsbericht April 2021: Modul COALA: Erfahrungen mit der Probengewinnung in Haushalten

Vorläufige Ergebnisse zu Übertragungen in Kitas.

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COALA (Corona – anlassbezogene Untersuchungen in Kitas) untersucht seit Ende Oktober 2020 das SARS-CoV-2-bedingte Infektionsgeschehen bei Kindern und Erwachsenen in Kitas aufgrund eines konkreten Ausbruchs in einer Kita. Die positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Kita-Kinder bzw. positiv getesteten Kita-Mitarbeitenden sowie nahe Kontaktpersonen aus der Kita und den Haushalten werden von einem Untersuchungsteam des Robert Koch-Instituts (RKI) zu Hause besucht. Dort wird ein Mund-Nasen-Abstrich (kein tiefer Rachenabstrich) sowie eine Speichelprobe entnommen, um SARS-CoV-2 direkt nachzuweisen und frühzeitig Übertragungen bei Exponierten festzustellen. Des Weiteren wird Kapillarblut aus einem Finger entnommen und auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht. Antikörper geben Hinweise auf bereits durchgemachte SARS-CoV-2-Infektionen.

Zusätzlich führen die vom COALA-Team vorab geschulten Teilnehmenden im Verlauf von zwei Wochen bei sich selbst bzw. bei ihren Kindern viermal die Probenentnahmen eigenständig durch (Mund-Nasen-Abstrich, Speichelprobe und Stuhlprobe) und schicken diese Bioproben zurück ans RKI. Außerdem erfolgt eine telefonische Befragung der einbezogenen Haushalte, u. a. zur Symptomatik und zu Vorerkrankungen.

Probengewinnung bei Teilnehmenden zum Nachweis einer akuten SARS-CoV-2-Infektion: Probenrücklauf nach Hausbesuchen und bei der Selbstbeprobung

Ende Oktober 2020 begann die Feldphase von COALA. Es fanden mittlerweile Einsätze in 25 Kitas mit einem SARS-CoV-2-Ausbruch verteilt auf neun Bundesländer (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein) statt. Geplant ist die Untersuchung von ca. 30 SARS-CoV-2-Ausbrüchen in Kitas.

Bei den ersten 24 SARS-CoV-2-Ausbrüchen wurden 342 Kinder und 432 Erwachsene untersucht (gesamt n=774). Aufgrund der sehr guten Annahme der häuslichen Untersuchungen durch die teilnehmenden Familien konnte bei nahezu allen Teilnehmenden ein Mund-Nasen-Abstrich genommen werden (n=771). 710 von 774 Personen haben eine Speichelprobe abgegeben. Eine Blutprobe aus dem Finger konnte bei 710 der 774 Personen entnommen werden. Weiterhin hat es sich bewährt, keinen tiefen Rachenabstrich durchzuführen.

Die in COALA verwendete regelmäßige Selbstentnahme von Proben zum SARS-CoV-2-Nachweis über die Zeit funktioniert zuverlässig. Hierzu liegen Daten aus den ersten 19 Kitas vor (n=615). Die COALA-Teilnehmenden schickten an vier Messzeitpunkten selbst entnommene Proben zurück, der Rücklauf war durchgängig sehr hoch: 89–96% der Mund-Nasen-Abstriche, 84–90% der Speichelproben.

Auswertungen aus den ersten 19 Kitas zeigen, dass etwa ein Viertel der SARS-CoV-2-Infektionen erst nach dem Hausbesuch im weiteren Verlauf entdeckt wurde. Von 23 Fällen bei Kindern wurden 18 im Hausbesuch und fünf im Verlauf der Selbstbeprobung erkannt. Von 36 Fällen bei Erwachsenen wurden 25 im Hausbesuch identifiziert, elf erst im weiteren Verlauf bei der Selbstbeprobung.

MB_April2021_RKI_Zwischenergebnisse zum Infektionsgeschehen in den Kitas 1–19

Zwischenergebnisse zum Infektionsgeschehen in den ersten 19 Kitas (n: 275 Kinder, 340 Erwachsene). Dadurch, dass die Teilnehmenden sich selber bzw. ihre Kinder im Verlauf nach dem Hausbesuch wiederholt über zwölf Tage beproben, konnten zusätzliche SARS-CoV-2-Fälle identifiziert werden.

Zwischenergebnisse zum Infektionsgeschehen in 19 Kitas

Eine vorläufige Auswertung der ersten 19 Kitas aus dem Zeitraum Oktober 2020 bis März 2021 zeigt, dass die beobachteten Infektionsgeschehen in den untersuchten Kitas sehr unterschiedlich sind. Es wurden ausgehend vom ersten gemeldeten SARS-CoV-2-Fall (so genannter Indexfall) oftmals keine oder eine Übertragung bei den Teilnehmenden in der Kita-Gruppe gefunden (sekundäre Fälle), aber in einer Kita konnten bei fünf Personen aus der Kita-Gruppe Ansteckungen festgestellt werden.

MB_April2021_RKI_Übertragungen bei den teilnehmenden Kontaktpersonen

In die ersten Auswertungen wurden 11 Kitas mit einem Kind und 8 Kitas mit einem/einer Beschäftigten als Indexfall einbezogen. Die Abbildung zeigt pro rekrutierter Kita-Gruppe, in absoluten Angaben wie viele Übertragungen (sekundäre Fälle) bei den teilnehmenden Kontaktpersonen aus der jeweiligen Gruppe durch die Untersuchungen festgestellt wurden. In den Kitas 11, 12, 15, 16, 17 und 19 konnte die Virus-Variante B.1.1.7 nachgewiesen werden. Die Anzahl der Kontaktpersonen variiert zwischen den Kita-Gruppen.

Bei den elf positiv getesteten Indexfällen unter den Kita-Kindern konnte eine Übertragung von SARS-CoV-2 auf 0–20% der Kontaktpersonen in der Kita beobachtet werden (durchschnittlich 3,7%). Bei den acht positiv getesteten Indexfällen unter den Kita-Beschäftigten wurde eine Übertragung auf 0–42% der untersuchten Kontaktpersonen (durchschnittlich 8%) beobachtet. Dabei haben sich Kinder in der Kita-Gruppe seltener mit SARS-CoV-2 angesteckt als Beschäftigte. 5% aller näheren Kontaktpersonen im Kindesalter wurden positiv getestet, ebenso 7,7% der erwachsenen nahen Kontaktpersonen. Die genannten Zwischenergebnisse sind vorläufig; die derzeitige Stichprobe ist noch zu klein, um verallgemeinerbare Aussagen zu treffen.

Die positiven Fälle in den 19 Kitas wurden durch ein PCR-Mutationsscreening auf die aktuell weit verbreitete besorgniserregende Variante B.1.1.7 (Variant of Concern, kurz VOC) untersucht. Bei sechs Infektionsgeschehen konnte diese Variante nachgewiesen werden. Die Übertragungshäufigkeit in den betroffenen Kitas war unterschiedlich (0 bis 5 Übertragungen). Alle positiven Fälle werden im weiteren Verlauf der Studie durch Sequenzierungen auch auf andere SARS-CoV-2-Varianten untersucht, die Ergebnisse werden bei der Bewertung des Infektionsgeschehens berücksichtigt.

Die COALA-Studie ist so gestaltet, dass sie eine kindgerechte Entnahme von Proben für SARS-CoV-2-Tests ermöglicht. Dabei konnte die Studie erfolgreich zuvor unentdeckte Infektionen von SARS-CoV-2 in Kitas aufdecken. Die Ausbrüche in den Kitas verliefen sehr unterschiedlich – dabei waren anteilig mehr Erwachsene als Kinder von einer Infektion betroffen.

 Bis Ende Mai 2021 ist geplant, zu den bisherigen 25 Kitas fünf weitere in die Studie einzubeziehen. 

COVID-19-Ausbrüche mit Infektionsumfeld Kindergarten/Hort

Nach den Kriterien der epidemiologischen Berichterstattung des RKI werden mehrere Krankheitsfälle oder Infektionen mit einem bestimmten Erreger, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang wahrscheinlich ist, als Ausbrüche gewertet. In der folgenden Auswertung wurden Ausbrüche berücksichtigt, für die (1) mindestens zwei laborbestätigte COVID-19-Fälle übermittelt wurden und (2) als Infektionsumfeld „Kindergarten/Hort“ angegeben wurde. Eine weitere Unterscheidung in Kindergarten oder Hort ist nicht möglich.

Bis Mitte April 2021 (KW 15) wurden bisher insgesamt 2.639 Ausbrüche mit Infektionsumfeld „Kindergarten, Hort“ an das RKI übermittelt, denen 17.278 Fälle zugeordnet wurden. Vor Ostern gab es einen steilen Anstieg an neu übermittelten Kita/Hort-Ausbrüchen, der das Niveau vom Herbst 2020 deutlich überstieg. Vermutlich ist auch dieser Effekt auf eine bessere Übertragbarkeit der VOC B.1.1.7 auch in der Altersgruppe der Kinder zurückzuführen. Ab Mitte März kam es zu einem raschen Rückgang, welcher sehr wahrscheinlich mit den Osterferien zusammenhängt. Aktuell befinden sich die Ausbrüche wieder auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Herbst 2020. In den beiden ersten Aprilwochen wurden rund 100 neue Kita/Hort-Ausbrüche pro Woche übermittelt. Es ist zu beachten, dass die Erfassung von COVID-19-Ausbrüchen mit einer gewissen Verzögerung erfolgt. Die Angaben der letzten ein bis zwei Wochen können daher noch unvollständig sein.

Größere Ausbrüche im Kita-/Hort-Setting sind die Ausnahme, wurden aber häufiger. Im Durchschnitt kommen vier COVID-19-Fälle pro Ausbruch vor. Im Februar und März 2021 nahm die durchschnittliche Ausbruchsgröße leicht um fünf Fälle pro Ausbruch zu. In 83% aller gemeldeten Kita/Hort-Ausbrüche waren auch Kinder Teil des Ausbruchs. In den letzten Wochen nahm der Anteil der 0- bis 5-Jährigen in Kita/Hort-Ausbrüchen stetig zu. Seit dem Ende des zweiten Lockdowns (KW 8; 22.02.–28.02.2021) waren knapp 45% der übermittelten Kita-Ausbruchsfälle im Alter von 0 bis 5 Jahren. Im Vergleich dazu lag ihr Anteil während der zweiten Welle (KW 40–51; 28.09.–20.12.2020) bei ca. 35%. Dies könnte möglicherweise ein Effekt der zunehmenden Impfung der pädagogischen Fachkräfte sein, die genaue Entwicklung der Impfquoten unter Kita-Beschäftigten ist jedoch nicht bekannt. Als alternative Erklärung kommt in Betracht, dass VOC B.1.1.7 unter Kindern leichter übertragen wird als zuvor der Wildtyp.

MB_April_2021_RKI_übermittelte_COVID-19-Ausbrüche_Kita_Hort

Anzahl der übermittelten COVID-19-Ausbrüche mit Infektionsumfeld "Kindergarten, Hort" (n = 2.639) nach Meldewoche und Anzahl der Fälle nach Altersgruppe. Die Erfassung von COVID-19-Ausbrüchen erfolgt mit einer gewissen Verzögerung. Daher können insbesondere die Angaben in den letzten 1–2 Wochen noch unvollständig sein (Datenstand: 26.04.2021, 0:00 Uhr).

Von allen Ausbrüchen, bei denen Kinder im Alter von 0 bis 5 Jahre beteiligt waren, wurden 14% dem Umfeld Kita/Hort zugeordnet. Fast zwei Drittel aller Ausbrüche mit Kinderbeteiligung (0–5 Jahre) geschahen im privaten Haushalt.

Das wahrscheinliche Infektionsumfeld „Kita“ mit der Zusatzinformation, dass der Fall bzw. die infizierte Person dort betreut wurde, wurde bisher bei 4.009 Fällen im Alter von 0 bis 5 Jahren angegeben. Bei Fällen im Alter von 15 Jahren und älter wurden für 5.030 Fälle angegeben, dass sie in einer Kita tätig sind und sich dort wahrscheinlich infiziert haben. Von diesen 5.030 Fällen wurden 2.996 Fälle als „Erzieher/-in, Betreuer/-in“ übermittelt und 1.297 Fälle als „sonstiges Personal“. Für 737 Fälle fehlen spezifische Angaben zur genauen Tätigkeit in der Kita. Da die Angaben zum wahrscheinlichen Infektionsumfeld bei vielen Fällen fehlen, sind diese Zahlen als Mindestangabe zu verstehen. Weiterhin kann aufgrund der fehlenden Angaben kein Nenner für Anteilsberechnungen gebildet werden.