Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Jetzt für den Newsletter anmelden!

 | Deutsches Jugendinstitut

Kinderbetreuung in Deutschland: Bisherige Auswertung zeigt sinkendes Wohlbefinden der Kinder und steigende Belastung der Eltern

Das Wohlbefinden von Kindern bis zum Schuleintritt sinkt aufgrund lockdownbedingter Entbehrungen.

Wohlbefinden_Eltern_03_2021

Grafik: Einschätzung der Eltern wie das Kind mit der Situation während der Coronapandemie zurechtkommt, auf einer Skala von 1 „Gar nicht gut“ bis 5 „Sehr gut“. Die Informationen beziehen sich auf Angaben von insgesamt 351-8.913 Eltern. Das Ausmaß des Wohlbefindens des Kindes wird jeweils als Mittelwert wiedergegeben, differenziert nach dem Befragungszeitraum und danach, ob das Kind ein Angebot der öffentlichen Kindertagesbetreuung nutzt.

 

Kamen während der ersten zwei Befragungszeiträume die Kinder der vorliegenden Stichprobe im Schnitt noch gut mit der Lockdown-Situation zurecht (≈ Ø 4,1), sank das Wohlbefinden bis zum dritten Befragungszeitraum auf durchschnittlich 3,7. Besonders Kinder, die zeitweise gar nicht die Kindertagesbetreuung besuchen können, kommen in allen Befragungszeitpunkten etwas weniger gut mit dem Lockdown zurecht als diejenigen, die einigermaßen regelmäßig bzw. grundsätzlich nicht öffentlich betreut werden. Sie erfahren vermutlich größere Einschnitte in ihrem gewohnten Alltag, was für sie eine stärkere Anpassung bedeutet. Das Öffnungs- und Schließgeschehen hat zur Folge, dass die Verantwortlichkeit für die ganztägige Kindertagesbetreuung größtenteils oder gar komplett an die Eltern abgegeben wurde, was sowohl für Eltern als auch für ihre Kinder eine große Ungewissheit bedeutet.

Unsichere Betreuungssituation verstärkt elterliches Stresslevel

Insbesondere stehen jene Eltern vor einer Herausforderung, die neben der Kinderbetreuung noch zusätzlich ihren beruflichen Verpflichtungen nachkommen müssen. Für die Herausforderung, die Kinderbetreuung zu organisieren und gleichzeitig die beruflichen Anforderungen zu erfüllen, wurde in der dritten Online-Kurzbefragung ein thematischer Schwerpunkt auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelegt. Hiermit sollte herausgefunden werden, wie Eltern diesen Konflikt angehen und lösen.

Besondere Belastungsfaktoren für Eltern bestehen darin, wenn aufgrund von KiTa-Schließungen der Nachwuchs nicht betreut werden kann und Ungewissheit darüber besteht, wann die Kindertagespflegestellen wieder öffnen. Über einen Befragungszeitraum von November 2020 bis Anfang Februar 2021 wurden Angaben von 352 bis 8.915 Eltern ausgewertet. Diese sollten auf einer Skala von 1 (trifft überhaupt nicht zu) bis 5 (trifft voll und ganz zu) einschätzen, wie sehr sie sich momentan gestresst fühlen. So ist zu erkennen, dass das Stresslevel während des Befragungszeitraums mit durchschnittlich 3,1 im mittleren Bereich liegt, jedoch eine steigende Tendenz erkennen lässt. Eltern, die auf eine öffentliche Betreuung ihres Kindes zeitweise komplett verzichten müssen, sind dabei besonders belastet. War ihr Stressniveau mit 3,2 im November 2020 bereits höher als das der anderen Teilgruppen, so steigt der Wert während des Lockdowns bis Anfang Februar auf 3,4 an.

Auch unter Berücksichtigung zentraler Einflussfaktoren bestätigt sich zu allen Befragungszeitpunkten, dass diese Elterngruppe ein merklich höheres Belastungsniveau aufweist, als Eltern, deren Kind noch halbwegs regelmäßig in die KiTa geht oder Eltern, die grundsätzlich kein Angebot der öffentlichen Kindertagesbetreuung in Anspruch nehmen. Diese müssen entsprechend nicht auf Unsicherheiten hinsichtlich des Öffnungs- und Schließgeschehens reagieren.

Allg_Stresslevel_Eltern_03_2021

Grafik: Grad des allgemeinen Stresslevels von Eltern im Befragungszeitraum von November 2020 bis Anfang Februar 2021 sowie differenziert danach, ob das Kind öffentlich betreut wird. Die Informationen beziehen sich auf Angaben von insgesamt 352-8.915 Eltern. Das allgemeine Stresslevel wird jeweils als Mittelwert abgebildet.