Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Jetzt für den Newsletter anmelden!

 | Deutsches Jugendinstitut

Kinder in Deutschland: Eltern fühlen sich aufgrund kurzfristiger KiTa-Schließungen unter Druck gesetzt

Das Belastungsniveau der befragten Eltern bewegt sich bislang im mittleren Bereich.

Vereinbarkeit_Kinderbetreuung_homeoffice_Mutter_adobe.stock_39644844_XS

Im Rahmen des Moduls I „CoKiss“ der Corona-KiTa-Studie findet im Rhythmus von vier Wochen eine Online-Kurzbefragung von Eltern statt, die seit Herbst 2020 im Feld ist. In diesem Befragungsstrang sollen Eltern über einen Zeitraum von insgesamt zehn Monaten regelmäßig über Belastungen und den Umgang mit der Coronapandemie in den Familien berichten. Gleich wie bei der Befragung nach dem Wohlbefinden der Kinder, bewerten die Eltern auf einer fünfstufigen Skala den Grad ihrer Belastung: Wert 1 gibt den niedrigsten Grad, Wert 5 den höchsten Grad der Belastung an. Zudem werden zwei Elterngruppen unterschieden: Elterngruppe 1 hat KiTa-Kinder, die nicht institutionell betreut werden können. Elterngruppe 2 hat derzeit institutionell betreute KiTa-Kinder, die von Betreuungsengpässen betroffen sind.

Viele Kindertageseinrichtungen arbeiten zum ersten Befragungszeitpunkt (Oktober bis Mitte November) noch im bzw. nahe am Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen. Im Vergleich zu diesem Befragungszeitpunkt sinkt der prozentuale Anteil der institutionell betreuten Kinder von 87,5% (7.804 Kinder) zum zweiten Messzeitpunkt auf 78,6% (5.245 Kinder). Zudem steigt die Gruppe der Kinder, die trotz eines vorhandenen Betreuungsplatzes nicht betreut werden konnte von 4% (352 Kinder) auf rund 13% (876 Kinder). Hier lässt sich auch das zunehmende Infektionsgeschehen in Kitas und Kindertagespflegestellen erkennen, das dort vor allem ab November 2020 verstärkt Einzug hält. Neben der Zunahme an verdachts- und infektionsbedingten Einrichtungs- oder Gruppenschließungen, kommt es in einigen Bundesländern aufgrund der Beschlüsse nach den Bund-Länder-Gesprächen über schärfere Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie ab 16.12.2020 erneut zu umfangreichen KiTa-Schließungen. Andere Bundesländer appellieren an die Eltern, die Kindertagesbetreuung nur dann zu nutzen, wenn sie die Betreuung ihres Kindes nicht anderweitig sicherstellen können.

Diese oftmals sehr kurzfristig ausgelösten Entscheidungen der Politik, in denen Kinder trotz Platzbuchung nicht öffentlich betreut werden können, setzt die Eltern in mittlerem Maße unter Druck (Ø 3,3 Elterngruppe 1). Zugleich mussten viele Eltern, deren Kind zum zweiten Befragungszeitpunkt zwar in einer Tageseinrichtung oder Tagespflegestelle betreut wurde, mit kurzfristigen Betreuungsengpässen zurecht kommen (Elterngruppe 2). Mit 73,2%, das entspricht 3.841 Kindern, ist weit mehr als die Hälfte der im Dezember 2020 institutionell betreuten Kinder von mindestens einer pandemiebedingten Einschränkung betroffen. Dementsprechend müssen viele Eltern, zumindest punktuell, die Betreuung des Kindes anderweitig sicherstellen. Das Belastungsniveau der Elterngruppe 2, die diese pandemiebedingten Einschränkungen in der Betreuung ihres Kindes aufzufangen versuchen, bewegt sich bislang im mittleren Bereich (Ø 2,8). Im direkten Vergleich beider Elterngruppen scheint jedoch vor allem das Belastungsniveau bei den Eltern höher zu sein, die zweitweise vollständig auf die institutionelle Betreuung ihres Kindes verzichten. Unter Kontrolle zentraler einflussnehmender Faktoren wie dem Status der Erwerbstätigkeit, dem Alter des Kindes und des Familienstands lässt sich dies bestätigen. Kann ein Kind trotz eines gebuchten Betreuungsplatzes in dieser Phase nicht betreut werden, fühlen sich die Eltern bedeutend belasteter, diese Betreuungsengpässe auszugleichen, als die Eltern, die zwar auch Einschränkungen in der Kinderbetreuung erleben, deren Kind die Kindertagesbetreuung aber noch regelmäßig besuchen kann.

Infos zur Online-Kurzbefragung Kinder in Deutschland

Die Online-Kurzbefragung Kinder in Deutschland setzt auf einer Stichprobe der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) auf. KiBS selbst läuft seit 2016 als jährlich durchgeführte und repräsentative Befragung von Eltern zur Situation der Kindertagesbetreuung in Deutschland. Hierbei werden bundeslandrepräsentative Daten zu elterlichen Bedarfen und zu in Anspruch genommenen Betreuungsarrangements gesammelt. Zum Start der Befragung Ende Oktober wurden 21.447 Eltern angeschrieben. Von KW 45 bis Ende November (KW 48) wurde die Befragung von insgesamt 8.917 Eltern (41,6%) ausgefüllt. Direkt im Anschluss wurde die zweite Kurzbefragung freigeschaltet. Im Zeitraum von KW 49 bis KW 52 (30.11.-27.12.2020) berichteten insgesamt 6.665 Eltern (31,1%) über ihre familiäre Situation.