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 | Deutsches Jugendinstitut

Infektionsfälle in Kindertageseinrichtungen: Stabilisierung auf hohem Niveau

Personalengpässe, die Gruppenstruktur der Kitas sowie die Studienlage zur Ansteckung von Kindern sind die Themen des zweiten Quartalsberichts.

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Seit Ende September 2020 sind die laborbestätigten Covid-19-Infektionen bei Kindern unter sechs Jahren stark angestiegen und liegen um ein Vielfaches höher als in der Erkrankungswelle im Frühjahr. Dies hängt mit dem allgemeinen Anstieg des Infektionsgeschehens in der Gesamtbevölkerung zusammen. Mitte November zeichnet sich bei dieser Altersgruppe ein leichter Rückgang der Fallzahlen ab. Dies zeigen die ans Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Daten der Gesundheitsämter, die für den aktuellen Quartalsbericht der interdisziplinären Corona-KiTa-Studie ausgewertet wurden.

Kindertagesbetreuung unter Pandemiebedingungen: Auswertung der Daten des bundesweiten KiTa-Registers

Die Daten des KiTa-Registers des Deutschen Jugendinstituts (DJI) spiegeln diese Zahlen, sagt Dr. Susanne Kuger, DJI-Projektleiterin der Corona-KiTa-Studie. „Bei den Infektionszahlen von Kindern erkennen wir eine Plateaubildung. Die Zahl der Verdachts- und Infektionsfälle in Kindertageseinrichtungen pendelt sich auf erhöhtem Niveau ein. Sowohl bei den Kitas als auch bei den Kindertagespflegestellen war zuletzt ein Anstieg der Gruppen- und Einrichtungsschließungen zu verzeichnen. In Kalenderwoche 45, also vom 02. bis 08. November 2020, waren 5,5 Prozent der fürs KiTa-Register befragten Einrichtungen und 3,5 Prozent der befragten Tagespflegestellen von Schließungen betroffen.“ Die Wissenschaftlerin ergänzt: „Es ist auf der Grundlage aktueller Entwicklungen zu befürchten, dass sich die Situation nicht so schnell entspannen wird. Wichtig wird es vor allem sein zu beobachten, wie sich die Pause um den Jahreswechsel auswirken wird.“

Für das KiTa-Register haben sich mittlerweile rund 13.000 Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonen bundesweit registriert. Durch die Teilnahme an wöchentlichen Abfragen trägt eine Großzahl der KiTas dazu bei, die Situation zu dokumentieren. Die Erhebungen haben das Ziel, rasche Lösungsansätze zu identifizieren, wie die Kindertagesbetreuung gestaltet werden kann, um einen bestmöglichen Infektionsschutz zu gewährleisten. Die Auswertungen sind unter www.corona-kita-studie.de/results.html online abrufbar; dort werden jede Woche die aktuellen Zahlen veröffentlicht.

Rund 23 Prozent der Kitas haben Personalprobleme

Seit Beginn der Pandemie haben bis zur ersten Novemberwoche zwei von fünf (41%) Kitas ihr Gruppenkonzept hin zu einem weniger offenen, strikter gruppenbezogenen Konzept geändert. Insbesondere großen Einrichtungen bereitete dieser Wechsel Probleme. Je strengere, festere Gruppenstrukturen das neue Konzept vorsieht, desto mehr Probleme zeigen sich aktuell etwa bei der Gewährleistung einer bedarfsgerechten Betreuung. Generell zeigen die Daten aber, dass die Kindertageseinrichtungen (84% Inanspruchnahme der Betreuung verglichen mit der Auslastung vor der Coronapandemie) und die Kindertagespflege (82%) nahe am Regelbetrieb arbeiten. Gleichwohl fällt seit Anfang Oktober 2020 in den Einrichtungen immer mehr Personal aus. „Hatten im September mehr als 90 Prozent der Kitas keine Engpässe und konnten einen hohen Anteil ihres pädagogischen Personals auch unmittelbar am Kind einsetzen, so hat sich die Situation zuletzt verschlechtert. Rund 23 Prozent der Kitas melden mittlerweile Personalprobleme. Fielen in der Woche vom 05. bis 11. Oktober circa 25.000 Fachkräfte aus, waren es zwischen 02. und 08. November 2020 rund 37.500. Das entspricht einem Anstieg um die Hälfte innerhalb eines Monats“, erklärt DJI-Projektleiterin Dr. Susanne Kuger.

Internationale Studien zur Infektiosität von Kindern und Jugendlichen

Einen weiteren Schwerpunkt des neuen Quartalsberichts bildet eine Literaturübersicht. Dafür wurden 291 internationale Studien herangezogen, die die Infektiosität von Kindern und Jugendlichen untersuchen und die insgesamt ein heterogenes Bild zeichnen: Generell gibt es nur wenige aussagekräftige Studien, die das Übertragungsrisiko speziell von Kindern untersuchen. Auch die Zahl der für die Studien berücksichtigten Fälle ist meist niedrig. Dennoch scheint das Übertragungsrisiko bei Kindern insgesamt geringer zu sein als bei Erwachsenen.