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Hohe Impfquote beim pädagogischen Kita-Personal

Bundesweit liegt die Quote der Erstimpfung bei den Kita-Beschäftigten bis Mitte Juli 2021 mit rund 80% über der aller 18- 59-Jährigen.

Mann wurde geimpft

Im Zuge der Aktualisierung der Fragebögen des KiTa-Registers wird seit der KW 23 (07.06.–13.06.2021) bei Kindertageseinrichtungen erhoben, wie viele pädagogisch Beschäftigte bis zur jeweils aktuellen Kalenderwoche wenigstens eine Erstimpfung gegen COVID-19 erhalten haben. Die entsprechende Zahl wird geteilt durch die ebenfalls abgefragte Anzahl des derzeit insgesamt beschäftigten pädagogischen Personals in der Kindertageseinrichtung. Hierdurch wird eine sog. Erstimpfungsquote ermittelt. Aufgrund der Formulierung der Abfrage („wenigstens eine Erstimpfung“) können in der Erstimpfungsquote enthaltene Personen ggf. auch bereits eine Zweitimpfung erhalten haben.

Bei den Daten ist zu beachten, dass viele COVID-19-Genesene in den Impfdaten nicht abgebildet werden dürften, da sich diese bis sechs Monate nach dem Ende ihrer Erkrankung nicht impfen lassen dürfen. Dies ist insofern von Bedeutung, da Genesene einen gewissen Immunisierungsgrad aufweisen können. Darum dürfte der Immunisierungsgrad beim pädagogischen Personal in der Abbildung der Daten des KiTa-Registers tendenziell unterschätzt werden. Allerdings könnte bei der Frage nach Impfungen ebenso von sozialer Erwünschtheit ausgegangen werden, da eine ablehnende Haltung gegenüber einer COVID-19-Impfung sozial sanktioniert werden könnte. Dies würde für eine Überschätzung geimpften pädagogischen Personals in den Daten sprechen. Bei der Abfrage ist darüber hinaus zu beachten, dass es sich um eine Einschätzung der Leitung und nicht um eine direkte Abfrage beim pädagogischen Personal handelt. Dies geht mit einer gewissen Unschärfe der Erhebung einher, etwa da unklar ist, inwieweit die Einrichtungsleitungen, die die Abfrage des KiTa-Registers beantworten, tatsächlich über den Impfstatus ihres pädagogischen Personals Bescheid wissen respektive wahrheitsgemäß informiert werden müssen. Durch die Abfrage der genauen Anzahl kann jedoch im Vergleich zu beispielsweise kategorisierten Abfragen (z. B. sehr wenige bis sehr viele) insgesamt von einer eher konservativen Schätzung ausgegangen werden.

Die untere Abbildung zeigt, nach Bundesländern sortiert, sowohl die Impfquote des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen, das in KW 28 (12.07.–18.07.2021) mindestens eine Impfung gegen COVID-19 erhalten hat, als auch aller 18- bis 59-Jährigen der Gesamtbevölkerung, die bisher mindestens eine Impfung gegen COVID-19 erhalten haben. Dabei ist zu erkennen, dass die Erstimpfungsquote des pädagogischen Personals in allen Bundesländern deutlich über jener aller 18- bis 59-Jährigen aus der Gesamtbevölkerung liegt. Im bundesweiten Durchschnitt liegt die Erstimpfungsquote des pädagogischen Personals bei rund 80%. Die erhöhte Erstimpfungsquote spiegelt sich auch im COVID-19 Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts wider. Dessen fünfter Report weist für Lehrkräfte und Erzieher/-Innen eine Erstimpfungsquote von 84,5% aus, was die Gültigkeit der Daten des KiTa-Registers bekräftigt. Die Diskrepanz zur Quote der 18- bis 59-Jährigen könnte ein Effekt der Impf-Priorisierung sein, in deren Rahmen sich pädagogisches Personal als Teil der Priorisierungsgruppe 2 bis zum bundesweiten Wegfall der Impfpriorisierung am 07. Juni 2021 bevorzugt impfen lassen konnte. Darüber hinaus kann gemutmaßt werden, dass die Impfbereitschaft beim pädagogischen Personal überdurchschnittlich hoch ist. Dies zum einen, da das Einhalten von Abstandsregeln oder weiteren Hygienemaßnahmen (z. B. Masken tragen) im Rahmen der pädagogischen Arbeit nicht immer möglich ist (z. B. wenn Kinder getröstet werden müssen) und zum anderen, da pädagogisches Personal in hohem Maße Kontakt zu 0- bis 6-Jährigen hat – einer Personengruppe, die mangels für sie zugelassenem Impfstoff bis auf Weiteres ungeimpft bleiben wird.

MB_Juli_2021_Impfquoten des pädagogischen Personals in Kitas
Impfquoten des (1) pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen, das bisher mindestens eine Impfung gegen COVID-19 erhalten hat (N = 2.651 Einrichtungen), sowie (2) aller 18-59-Jährigen der Gesamtbevölkerung, die bisher mindestens eine Impfung gegen COVID-19 erhalten haben nach Bundesländern. Die Daten des pädagogischen Personals stammen aus dem KiTa-Register und beziehen sich mit Datenstand 29.07.2021 auf die KW 28 (12.07.–18.07.2021). Die Daten der Gesamtbevölkerung 18–59 Jahre stammen aus dem RKI-Impfmonitoring mit Datenstand 03.08.2021.

Die Impfquoten sind in den letzten Wochen auch nach dem Wegfall der Impfpriorisierung in KW 23 (07.06.–13.06.2021) in allen Bundesländern deutlich gestiegen. Dies lässt sowohl vermuten, dass der Impfbedarf des pädagogischen Personals trotz Priorisierung aufgrund fehlenden Impfstoffes bis zum Wegfall der Priorisierung nicht gedeckt werden konnte, als auch, dass sich ein Teil des pädagogischen Personals erst zu einem späteren Zeitpunkt impfen lassen wollte. Zum anderen sind regionale Unterschiede erkennbar. Insgesamt geht der Trend jedoch in den meisten Ländern nach oben. Etwaige Schwankungen nach unten lassen sich durch ferienbedingte Unregelmäßigkeiten in der Anzahl des Personals bzw. durch Lücken beim Ausfüllen des Fragebogens erklären. Darüber hinaus können auch Kitas eine Rolle spielen, die ihre Teilnahme am KiTa-Register beenden bzw. Veränderungen in der Zahl der insgesamt Beschäftigten melden.

Des Weiteren impliziert der Trend eine weiterhin vorhandene Impfbereitschaft beim pädagogischen Personal. Dies steht im Kontrast etwa zu jüngsten Ergebnissen der Gutenberg COVID-19 Studie, in der 10.250 Personen zwischen 25–88 Jahren aus Rheinhessen im Zeitraum von Oktober 2020 bis März 2022 befragt werden. In dieser Studie wird seit Mai 2021 ein Rückgang der Impfbereitschaft festgestellt. Dieser Befund ist dank der insgesamt steigenden Anzahl geimpfter Personen allerdings kaum überraschend, da der Anteil nicht impfbereiter Personen an den insgesamt noch nicht geimpften Personen zwangsläufig steigt.

Der hier berichtete, anhaltend positive Impftrend beim pädagogischen Personal ist aus epidemiologischer Sicht begrüßenswert, da diese Personengruppe aufgrund ihrer erhöhten Kontaktdichte mit Kindern, die bis auf Weiteres nicht geimpft werden können, mutmaßlich einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt ist. Entsprechend stellten Galmiche et al. (2021) in einer Fall-Kontroll-Studie in Frankreich mit 5.139 Teilnehmenden bei Haushalten mit einer Person, die in einer Kindertageseinrichtung beschäftigt ist, ein beinahe doppelt so hohes Infektionsrisiko fest, wie bei Haushalten, in denen niemand in einer solchen Einrichtung beschäftigt ist.