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Highlights des 7. Quartalberichts II/2022 zur Corona-KiTa-Studie

Der 7. Quartalsbericht zur Corona-KiTa-Studie deckt den Zeitraum von KW 49/2021 bis KW 14/2022 (06.12.2021 - 10.04.2022) ab. Themen sind u. a. die Fortschreibung der KiTa-Register-Daten und ein Fortschrittsbericht der COALA-Studie. Die Betreuungszeiten und Förderbedarfe von Kindern während der Pandemie sowie die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen in Kindertageseinrichtungen auf die sozialen Interaktionen von Kindern, Fachkräften und Eltern bilden die Schwerpunktthemen des Berichts.

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Modul CoKiss: Durchschnittliche Betreuungszeiten und Förderbedarfe von Kindern während der Pandemie

  • Die zweite Kita-Schließungsphase ab 16.12.2020 schränkte die durchschnittlichen Betreuungszeiten von Kindern in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen merklich ein, wie aus Elternangaben hervorgeht. Kinder, die über einen Zeitraum von sieben Monaten (November 2020 bis Mai 2021) trotz vielfältiger Einschränkungen im Betreuungsalltag durchgehend betreut wurden, besuchten ihre Kindertagesbetreuung zeitweise nur noch an 4,5 Tagen pro Woche. Vor dem Ausbruch der Pandemie waren es aus Sicht der Eltern im Schnitt 4,9 Tage pro Woche. Rund 50% der kontinuierlich betreuten Kinder nutzten zudem vor dem Einsetzen der flächendeckenden Kita-Schließungen die Kindertagesbetreuung mehr als 35 Stunden pro Woche – ab Januar 2021 waren es nur noch etwa 31%.
  • Der Anteil an Kindertageseinrichtungen, die angaben, dass – verglichen mit der Anzahl Kinder vor der Pandemie – viel mehr oder mehr Kinder ihrer Einrichtung einen pandemiebedingten Förderbedarf im Bereich der sprachlichen, motorischen oder sozio-emotionalen Entwicklung aufweisen, ist zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 kontinuierlich angewachsen. Während im Oktober 2020 35% der Kita-Leitungen einen Anstieg an Kindern mit Förderbedarf in der sprachlichen Entwicklung sahen, waren es im Zeitraum April bis Juni 2021 43% der Leitungen. Einrichtungen, die einen hohen Anteil an Kindern mit niedrigem sozioökonomischen Status betreuen (SES), schätzten die Zunahme an Kindern mit entsprechenden Förderbedarfen noch höher ein.

Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen in Kindertageseinrichtungen auf die sozialen Interaktionen von Kindern, Fachkräften und Eltern

  • Im Rahmen des CoKiss-Leitungssurveys wurden Kita-Leitungen im Zeitraum Oktober 2020 bis Juni 2021 um eine Einschätzung zur derzeitigen Qualität der Interaktionen im Hinblick auf (1) die Betreuungsqualität Fachkraft/Kind, (2) das Zusammenspiel der Kinder und (3) die Kooperation Eltern/Fachkraft gebeten. Als Vergleichswert vor der Pandemie diente eine retrospektive Einschätzung. Im ersten Lockdown ging die aus Sicht von Einrichtungseinleitung eingeschätzte Qualität der Kooperationen zwischen Eltern und Fachkräften in Kitas zunächst deutlich zurück. Nach der ersten Öffnung nahm diese wieder zu, fiel dann aber im weiteren Pandemieverlauf bis zum Frühsommer 2021 wieder stark ab.
  • Dies fiel besonders stark aus für Kitas mit einer hohen Quote an sozial benachteiligten Familien. Als besonders hinderlich für Eltern-Fachkraft-Kooperationen zwischen Herbst 2020 und Frühsommer 2021 haben sich die Verlagerung der Hol-Bring-Situation in den Außenbereich sowie die Anwendung von generellen restriktiven Kontaktbeschränkungen erwiesen. Der Effekt konnte jedoch abgefedert werden durch häufigere Tür-und-Angel-Gespräche sowie proaktive Förderangebote seitens der Kita für die Kinder.
  • Auch die Qualität der Interaktionen zwischen den Kindern hat sich aus Leitungssicht im Vergleich zur Situation vor der Pandemie verschlechtert. Für Kitas mit einem höherem Anteil sozioökonomisch benachteiligter Familien fiel die Verschlechterung der Interaktionen zwischen den Kindern besonders stark aus, ebenso wie in Kitas mit einer geringen Auslastung während der Lockdowns und einem Wechsel zu festen Gruppenkonstellationen. Förderlich für das Zusammenspiel der Kinder erwiesen sich gezielte pädagogische Förderangeboten. Insgesamt hat sich die Interaktionsqualität der Kinder jedoch ab Februar 2021 wieder erholt und auf vergleichsweise hohem Niveau stabilisiert.
  • Die subjektiv eingeschätzte Betreuungsqualität zwischen Fachkräften und Kindern wurde im Vergleich am wenigsten von der Pandemie beeinflusst und hat sich relativ schnell auf vergleichsweise hohem Niveau eingependelt. Insgesamt wiesen kleinere Kitas sowie Kitas mit einer mittleren Auslastung von 34 bis 66% eine bessere Betreuungsqualität auf. Als besonders hinderlich für die Interaktionen zwischen Fachkräften und Kindern wurden dagegen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen und der Versuch des Distanzhaltens zu den Kindern berichtet. Eine feste Personalzuweisung zur Gruppe sowie die Umsetzung von Fördermaßnahmen wirkten sich dagegen positiv auf die Betreuungsqualität aus.

Modul KiTa-Register: Ergebnisse zu den derzeitigen Betreuungskapazitäten

  • Mit der zunehmenden Verbreitung der sog. Omikron-Variante nahmen gemeldete SARS-CoV-2-Infektionen und Verdachtsfälle sowie infektionsbedingte Schließungen im aktuellen Berichtszeitraum KW 49/2021 bis KW 14/2022 (06.12.2021–10.04.2022) im Verlauf der fünften Welle bei Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege erheblich zu.
  • Trotz der sich zuspitzenden Entwicklung der Pandemielage im aktuellen Berichtszeitraum KW 49/2021 bis KW 14/2022 (06.12.2021–10.04.2022) war die Inanspruchnahmequote relativ hoch. Die Auslastung der Kindertageseinrichtungen lag bundesweit bei einem Wert von durchschnittlich ca. 86% in der KW 14 (04.04.–10.04.2022). Der Anteil des unmittelbar am Kind eingesetzten pädagogischen Personals lag bei 80%. Der Anteil des coronabedingt nicht, nur mittelbar oder aufgrund anderer Atemwegserkrankungen nicht einsetzbaren Personals lag bei 18%.
  • Die Inanspruchnahmequote in der Kindertagespflege steigt ebenfalls etwas an. Die Auslastung der Kindertagespflegestellen erreicht bundesweit einen Wert von 93% in der KW 14 (04.04.–10.04.2022). Die Werte der gemeldeten SARS-CoV-2-Infektions- und Verdachtsfälle (bei der Kindertagespflegeperson selbst, Mitgliedern ihres Haushaltes, bei den betreuten Kindern oder deren Eltern) sowie der Anteil der infektionsbedingt geschlossenen Kindertagespflegestellen sind bereits in der vierten Pandemiewelle stark angestiegen und erreichten in der fünften Pandemiewelle neue Höchststände seit dem Beginn der Erhebung im August 2020 (ca. 25% Infektionsfälle und knapp 10% geschlossene Kindertagespflegestellen in der KW 11 (14.03.–20.03.2022), sind danach aber wieder rückläufig.
  • Trotz des drastischen Anstiegs der berichteten Infektionen innerhalb der Einrichtungen und der hohen lokalen 7-Tage-Inzidenzen ist die Inanspruchnahmequote relativ konstant und die Werte beim Personaleinsatz waren stabil – wenn auch auf niedrigem Niveau. Dies spricht für eine hohe Einsatzbereitschaft in den KiTas und einen routinierten Umgang mit den Herausforderungen der Pandemie. Allerdings zeigt sich beim Stimmungsbild eine deutliche Verschlechterung: Der Unmut erreichte in der KW 6 (07.02.–13.02.2022) einen nie dagewesenen Höchstwert von 3,4.

Prävention des Eintrags von SARS-CoV-2 in Kitas: Erfahrungen aus dem Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, Januar bis März 2021 [1]

  • In der Studie von Thurow et al. wurden präventive Maßnahmen wie z. B. einfache Gesundheitsabfrage, Temperaturmessung sowie serielle Teststrategien identifiziert, die – wenn in Kombination angewendet – dazu beitragen können, Einträge von SARS-CoV-2 bzw. Expositionen in Kitas zu verhindern.
  • Kitas ohne SARS-CoV-2-Fall führten signifikant häufiger eine Kombination aus Gesundheits-Check (Befragung der Eltern und Temperaturmessung) und Testung (mittels Schnelltest bei Kindern und Beschäftigten) durch. Ein weiterer Befund war, dass sowohl bei den Kitas mit einem Einzelfall als auch bei den Kitas mit Ausbrüchen häufiger Kita-Beschäftigte die Indexfälle waren (60% (9/15) bzw. 70% (7/10)).

[1] Untersuchung in Kooperation des Berliner Gesundheitsamts Bezirk Treptow-Köpenick, dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) Berlin und dem Robert Koch-Institut.

Meldedaten und KiTa-Register ergänzen sich gegenseitig in der Bewertung der Dynamik der SARS-CoV-2-Ausbrüche in Kindertageseinrichtungen

  • Ein Vergleich der Häufigkeit der ans RKI übermittelten Kita-Ausbrüche (Meldedaten) mit den über das KiTa-Register gemeldeten Infektionsfällen, die einem Ausbruch entstammen könnten, zeigte, dass sich beide Systeme in der Bewertung des Infektionsgeschehens in Kitas gegenseitig ergänzen können und beide Datenquellen ihre eigenen Stärken haben.
  • Stärke der Meldedaten: Die ans RKI übermittelten Kita-Ausbrüche unterliegen immer einer fachlichen Bewertung durch die Gesundheitsämter und enthalten zudem weitere klinische und epidemiologische Angaben zu den in Ausbrüchen betroffenen Personen.
  • Stärke der Daten aus dem KiTa-Register: Die Daten aus dem KiTa-Register stammen von den Kitas selbst, wobei nur die bekannten Infektionen gemeldet werden, unabhängig davon, ob sie ausbruchsbedingt zusammenhängen. Möglicherweise kann dadurch der Infektionsdruck besser widergespiegelt werden, unter dem Kitas ihre Arbeit bewältigen müssen.

Fortschrittsbericht aus der COALA-Nachbefragung (COALA 2): Post-COVID-Symptome bei Kita-Kindern und psychosoziale Belastungen von Familien

  • COALA 1 (Corona – anlassbezogene Untersuchungen in Kitas) befasste sich mit dem SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen in Kitas. Zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 wurden dafür 30 SARS-CoV-2-Ausbrüche in Kitas mit mindestens einem laborbestätigten SARS-CoV-2-Fall (Anlass) aus neun Bundesländern untersucht.
  • In der Fortführung des COALA-Moduls (COALA 2) werden andauernde Symptome nach einer COVID-19-Erkrankung bei Kindern im Kita-Alter im Vergleich zu nicht infizierten Kindern ermittelt. Zur Erfassung dieser auch als Post-COVID-Syndrom (oder auch „Long-COVID“) bezeichneten Beschwerden wurden die Familien mit Kindern im Kita-Alter (1-6 Jahre) aus COALA 1 telefonisch nachbefragt. 172 computergestützte standardisierte Telefoninterviews mit Haushalten fanden vom 31.01.2022 bis 18.02.2022 statt.
  • Die Nachbefragung von COALA 2 befasst sich auch mit psychosozialen Belastungen während der COVID-19-Pandemie bei Familien mit Kita-Kindern. Die befragten Haushalte bewerteten ihre Belastung zum Befragungszeitpunkt überwiegend als mittelmäßig im Alltag. Eingeschränkte Freizeitaktivitäten, Kontaktbeschränkungen sowie Kita- und Schulschließungen stellten für Familien mit Kindern im Kita-Alter die häufigsten Belastungen während der Pandemie dar.

Modul CATS: Ergebnisse aus den Surveillancesystemen des RKI

  • Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) bei Kindern im Alter von 0–5 Jahren hatte sich seit Mitte Februar 2022 wieder den vorpandemischen Werten angeglichen und befand sich damit auf einem deutlich höheren Niveau als im Vorjahr zu dieser Zeit. Möglicherweise spielt hierbei die Rücknahme der kontaktreduzierenden Maßnahmen eine Rolle. Anfang April 2022 wurden wöchentlich rund 694.000 ARE bei der jüngsten Altersgruppe geschätzt (oder 14,6% der Kinder mit ARE).
  • Nachdem die Melde-Inzidenz der 0- bis 5-Jährigen mit zunehmender Ausbreitung der Omikron-Variante zu Beginn des Jahres 2022 sehr rasch auf ein neues pandemisches Höchstniveau anstieg, war seit Ende März wieder ein Rückgang der Fallzahlen zu erkennen. Mit einer Inzidenz von 800/100.000 befanden sich die Werte in KW 14 (04.04.–10.04.2022) aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Inzidenz der Kinder im Grundschulalter und die der Jugendlichen war im Vergleich dazu etwa 2-mal höher und auch höher als die Inzidenz aller anderen Altersgruppen. In KW 14/2022 waren 4,0% aller übermittelten Fälle im Alter von 0–5 Jahren (Vorjahr KW 14/2021: 4,2%); ihr Anteil lag damit unter dem Bevölkerungsanteil von 5,7%.
  • Der Anteil der mittels PCR auf SARS-CoV-2 getesteten Kinder im Alter von 0–5 Jahren, die ein positives Ergebnis hatten, stieg von etwa 5% (Oktober 2021) auf etwa 40% (März 2022) sehr rasch an und blieb bis Anfang April auf diesem hohen Niveau. Ähnlich der Melde-Inzidenz befanden sich die Positivanteile der älteren Kinder zum gleichen Zeitpunkt mit 54% bei den 6- bis 10-Jährigen und 55% bei den 11- bis 14-Jährigen auf einem noch höheren Niveau.
  • Die Zahl der hospitalisierten COVID-19-Fälle unter den 0- bis 5-Jährigen nahm seit Jahresbeginn 2022 wieder deutlich zu. Dagegen blieb der Anteil der Kinder mit einer SARS-CoV-2-Infektion, die hospitalisiert wurden, mit 1,6% während der Omikron-Welle leicht unter den Werten, welche während der Alpha- oder Delta-Welle verzeichnet wurden (2,0 bzw. 2,3%). Dies spricht dafür, dass die Omikron-Variante nicht mit einem höheren Schwereprofil assoziiert ist und die erwähnte Zunahme der hospitalisierten Fälle eher auf das sehr hohe Infektionsgeschehen zurückzuführen ist.
  • Im Januar 2022 wurden etwa 2,5-mal mehr Kita-/Hort-Ausbrüche pro Woche an das RKI übermittelt als in den Hochphasen der dritten und vierten Welle. Seit Mitte Januar war wieder ein rückläufiger Trend zu beobachten. Der Anteil der 0- bis 5-Jährigen an allen Kita-Ausbruchsfällen ging während der Omikron-Welle von etwa 62% auf etwa 55% zurück (d. h. der Anteil der Erwachsenen nahm zu) und blieb seit Mitte Februar relativ stabil. Einschränkend muss gesagt werden, dass die Gesundheitsämter wegen der sehr hohen Inzidenz nicht mehr alle Infektionsketten ermitteln können. Zudem ist häufig die Eindeutigkeit der Ansteckung nicht mehr gegeben.