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 | Deutsches Jugendinstitut

Ergebnisse aus der Kindertagespflege-Vertiefungsbefragung: Aspekte des Wohlbefindens

Angst vor einer Infektion überwiegt finanzielle Sorgen.

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Einschätzung verschiedener Belastungsfaktoren

Neben den Kindertageseinrichtungen sehen sich auch Tagespflegepersonen mit Herausforderungen konfrontiert, die die Coronapandemie mit sich bringen. Um herauszufinden, welche Ängste und Sorgen die Tagespflegepersonen am intensivsten erleben, wurden sie befragt zu:

  • Existenzsorgen
  • finanziellen Sorgen
  • Angst vor etwaigen Schließungen der Kindertagespflegestelle
  • Belastung durch den Umgang mit Schutz- und Hygienemaßnahmen
  • und zu ihrer Einschätzung der allgemeinen Belastung im Hinblick auf die derzeitige Situation

Zusätzlich wurden sie um eine Einschätzung ihrer allgemeinen Belastung im Hinblick auf ihre derzeitige Situation gebeten. Die Einschätzung der einzelnen Items erfolgte jeweils über eine fünfstufige Skala von „trifft überhaupt nicht zu“ (1) bis „trifft voll und ganz zu“ (5). Finanzielle Sorgen („Ich habe finanzielle Sorgen als Kindertagespflegeperson aufgrund der Coronapandemie“) haben im Verhältnis die wenigsten Befragten (Mittelwert (MW): 2,61). Über die Hälfte (fast 53%) geben hier an, dass sie wenig bzw. sehr wenig finanzielle Sorgen haben. Knapp ein Drittel der Teilnehmenden (29,6%) schätzt diesen Aspekt als belastend bzw. sehr belastend ein. Über 70% der Befragten bieten ihr Betreuungssetting im eigenen Haushalt an. Quarantänemaßnahmen betreffen daher auch die Familie einer Kindertagespflegeperson, was wiederum das Betreuungsangebot unabsehbar einschränken oder unterbrechen kann. Dass die finanziellen Sorgen etwas positiver eingeschätzt werden, kann darin begründet sein, dass über 90% der Befragten (n=1.986) angeben, dass eine Fortzahlung des Kindertagespflegegeldes bei Krankheit eines betreuten Kindes geleistet wird. Die Gruppe, die diese Fortzahlung nicht erhält, geben eine signifikant schlechtere Einschätzung ihrer finanziellen Sorgen an: Während die Einschätzung hinsichtlich der finanziellen Sorgen bei der Teilgruppe mit Fortzahlung bei einem Mittelwert von 2,54 liegt, beträgt bei der Teilgruppe ohne Fortzahlung der Mittelwert 3,26.

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Im Vergleich zu den finanziellen Sorgen weisen die Aspekte Existenzängste („Ich mache mir Sorgen um meine Existenz als Tagesmutter/-vater.“, MW: 2,83) und Angst vor KiTa-Schließung („Ich habe Angst davor, von einer (weiteren) Schließung meiner Kindertagespflegestelle betroffen zu sein“, MW: 2,88) etwas schlechtere Einschätzungen auf. Insgesamt betrachtet werden jedoch auch diese Faktoren von den Befragten nicht auffällig belastend bewertet. Da über 90% der Tagespflegepersonen in der vorliegenden Stichprobe selbständig arbeiten, erstaunt die recht gute Bewertung dieser Aspekte. Für diese Personengruppe besteht gerade in Zeiten der Pandemie eine unsichere finanzielle und beruflich-existentielle Situation. Keine großen Belastungen sehen die teilnehmenden Kindertagespflegepersonen bei der Einschätzung der Umsetzung der Schutz- und Hygienemaßnahmen sowohl im Hinblick auf die Kinder („Die Umsetzung der Schutz- und Hygienemaßnahmen belastet mich im Umgang mit den Kindertagespflegekindern“; MW: 2,73) als auch im Hinblick auf die Eltern („Die Umsetzung der Schutz- und Hygienemaßnahmen belastet mich im Umgang mit den Eltern“; MW: 2,65).

Dass die subjektiv wahrgenommene Belastung der Tagespflegepersonen durch die derzeitige Situation dennoch groß ist, zeigen die Einschätzungen zur Aussage „Die derzeitige Situation belastet mich“. Über 50% der teilnehmenden Kindertagespflegepersonen geben hier an, dass sie sich belastet bis sehr belastet fühlen. Dieses Item wurde deutlich am negativsten bewertet (MW: 3,57). Eine Unterscheidung zwischen Großtagespflegestelle (GTP) und singulär arbeitenden Tagespflegepersonen zeigt, dass sich die Großtagespflegestellen signifikant belasteter fühlen. Fast 60% dieser Teilgruppe geben an, dass sie sich belastet bzw. sehr belastet fühlen (MW: 3,77).

Einschätzung der Angst vor einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus

Die Teilnehmenden sollten ebenfalls Angaben zu ihrem empfundenen Wohlbefinden abgeben und ihrer Angst, sich selbst mit SARS-CoV-2 zu infizieren (innerhalb und außerhalb der Kindertagespflegestelle) sowie die Angst, andere anzustecken, einschätzen. Dies erfolgte ebenfalls über eine fünfstufige Skala von „sehr wenig Angst“ (1) bis „sehr große Angst“ (5). (Cronbachs α=,798). Auffällig ist hier das Ergebnis bezüglich der Angst, sich selbst in der Kindertagespflegestelle mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Knapp 50% aller Befragten geben hier eine große bis sehr große Angst an (MW: 3,34).

Die Angst, in der Kindertagespflegestelle betreute Kinder oder deren Eltern zu infizieren, wird mit über 40% der Angaben ebenfalls verhältnismäßig hoch eingeschätzt (MW: 3,24). Vergleichbar hoch sind die Einschätzungen bzgl. der Angst, andere Personen außerhalb der Kindertagespflegestelle anzustecken. Auch hier geben über 40% eine große bis sehr große Angst an (MW: 3,17). Niedriger eingeschätzt wird die Angst, sich selbst außerhalb der Kindertagespflegestelle mit SARS-CoV-2 zu infizieren (MW: 2,76). Fast die Hälfte der Befragten gab hierfür an, hier wenig bis sehr wenig Angst zu haben. Diese niedrigeren Werte zeigen sich auch bei den Tagespflegepersonen, die sich zu einer Risikogruppe zählen.

MB_März_2021_KTP_Angsteinschätzung

Auf die Frage „Wie gut funktioniert Ihrer Einschätzung nach die Umsetzung der derzeit empfohlenen Schutz- und Hygienemaßnahmen insgesamt in Ihrer Kindertagespflegestelle?“ geben die Befragten im Hinblick auf die Personengruppe der Kinder eine schlechte Bewertung ab. Über 50% der singulär arbeitenden Kindertagespflegepersonen und knapp 60% der Großtagespflegestellen bewerten die Umsetzung mit schlecht bis sehr schlecht. Wenngleich dieser Aspekt nicht als Belastung empfunden wird, zeigt sich doch deutlich, dass sich im pädagogischen Alltag viele empfohlene Maßnahmen hinsichtlich eines effektiven Infektionsschutzes im Umgang mit den Kindern nicht einfach umsetzen lassen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Veränderung der Impfpriorisierung, die im Februar (nach Beendigung der Befragung) durchgeführt wurde und die es nun auch den Kindertagespflegepersonen ermöglicht, sich zeitnah gegen COVID-19 impfen zu lassen.

Die Sorgen bzgl. der finanziellen Lage und beruflichen Existenz der Kindertagespflegepersonen werden von ihnen nicht so negativ eingeschätzt, wie man hinsichtlich der nicht einfachen (meist selbstständigen) beruflichen Gegebenheit der Befragten vermutet hätte. Es ist anzunehmen, dass Sonderreglungen, die in einigen Bundeländern im Zeitverlauf der Pandemie getroffen wurden und die eine Fortzahlung von Geldleistungen bei pandemiebedingten Ausfällen gewährleisten, hierzu positiv beitragen.

Im Fokus der Belastung von Kindertagespflegepersonen stehen Ängste hinsichtlich möglicher Infektionsrisiken in Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit. Ein erhöhtes Belastungsempfinden scheint sich zudem durch unvorhersehbare Einschränkungen und Unwägbarkeiten aufgrund der Pandemie zu ergeben. Positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden könnten demzufolge jegliche Maßnahmen haben, die den Kindertagespflegepersonen Sicherheit in verschiedensten Bereichen (finanziell, gesundheitlich, organisatorisch) geben und sowohl Perspektiven eröffnen als auch zu einer gewissen Planungssicherheit beitragen.

 

Zur Online-Vertiefungsbefragung der Kindertagespflege

Um neben den Daten aus dem KiTa-Register weitere detaillierte Einblicke über die Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Arbeit der Kindertagespflegepersonen in Pandemiezeiten zu erhalten, wurde im Zeitraum vom 08.12.2020 (KW 50) bis 15.01.2021 (KW 2) eine Vertiefungsbefragung mittels eines standardisierten Online-Fragebogens durchgeführt, bei der sich deutschlandweit 2.807 Kindertagespflegepersonen beteiligt haben. Der Zeitraum der Befragung umfasst die Lockdown-Regelungen, die am 16.12.2020 von Bund und Ländern ausgesprochen wurden und die auch im Bereich der Kindertagespflege zum Tragen kamen. Der überwiegende Teil der Tagespflegpersonen hat in der KW 50 (07.12.–13.12.2020) und KW 1 (04.01.–10.01.2021) an der Befragung teilgenommen.