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COALA-Studie: Datenerhebung in Kitas erfolgreich beendet

RKI-Forschungsteam wertet die Ergebnisse aus. 

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Im Mai 2020 startete die zwischen dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Robert Koch-Institut (RKI) interdisziplinär geführte Corona-KiTa-Studie. Aufgeteilt in vier Module wird dabei das Infektionsgeschehen in der Kindertagesbetreuung erforscht. Ende Oktober 2020 begann die Erhebungsphase von Modul IV: Corona – Anlassbezogene Untersuchungen in Kitas, kurz COALA. Im Juni 2021 beendete das RKI-Team nach fast neunmonatiger Laufzeit seine Datenerhebung erfolgreich.

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 brachte viele Fragen mit sich. Das Robert Koch-Institut, als Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit u. a. zuständig für die Erfassung und Prävention von Krankheiten, liefert mit unterschiedlichen Forschungsprojekten Antworten auf diese Fragen. Eines dieser Projekte ist die COALA-Studie, deren Fokus sich darauf richtet, wie Corona-Infektionen bei Kita-Kindern verlaufen, wie häufig sie sich mit dem Coronavirus infizieren und wie oft eine Virusübertragung innerhalb der Kita-Gruppen sowie unter Haushaltsmitgliedern erfolgt.

Forschung zum Mitmachen

Um all das herauszufinden, nahmen mobile Untersuchungsteams des RKI Kitas, in denen es einen SARS-CoV-2-Ausbruch gegeben hatte, unter die Lupe. Kita-Kinder, deren Haushaltsmitglieder sowie Kita-Beschäftigte wurden in die Untersuchungen einbezogen. Während eines Haushaltsbesuchs wurden bei den Teilnehmenden Abstriche im Mund-Nasen-Bereich (keine tiefen Rachenabstriche) vorgenommen sowie Speichelproben (für PCR-Tests) und aus der Fingerkuppe etwas Kapillarblut (zum Antikörpernachweis) gesammelt.

Die erwachsenen Haushaltsmitglieder wurden außerdem gebeten, innerhalb von zwölf Tagen nach dem ersten Besuch eigenständig bei sich und den Kindern mehrmals sowohl Mund-Nasen-Abstriche als auch Speichelproben zu entnehmen und diese Proben per Post an das RKI zu senden. Dort wurden die Proben über die Polymerase-Kettenreaktion (dem sog. PCR-Test) untersucht, um eine akute Corona-Infektion nachzuweisen. Um Ansteckungen im Haushalt diagnostizieren, gesundheitliche Beschwerden und die Virusausscheidung im Zeitverlauf verfolgen zu können, sollten die Familien ein Symptomtagebuch mit täglichen Einträgen führen. Die Untersuchungen wurden ergänzt durch telefonische Befragungen der teilnehmenden Familien, Kita-Leitungen sowie der jeweiligen Gesundheitsämter.

Hohe Teilnahmebereitschaft und sehr guter Rücklauf bei den Selbstbeprobungen

Mit umfassender Testausrüstung bepackt, machten sich die Untersuchungsteams des RKI auf den Weg zu den teilnehmenden Familien. Vor Ort angekommen, stellten sich die Kolleginnen und Kollegen zunächst aus sicherer Entfernung ohne Schutzausrüstung vor – und legten dann die weißen Schutzanzüge an. Von den Teilnehmenden wurden die Teams stets willkommen geheißen – was vermutlich durch die mitgebrachten Spiele und Plüsch-Koalas begünstigt wurde. Mit großem Interesse verfolgten besonders die Kleinen das Geschehen in ihrem Zuhause. Um diese entsprechend einfühlsam vorzubereiten und ihnen die Angst vor den Röhrchen, Stäbchen und Piksern zu nehmen, wurden vorab am Plüsch-Koala die Untersuchungen und Testungen demonstriert. Sobald der flauschige Freund alles überstanden hat, konnte es auch für die jüngsten Teilnehmenden losgehen.

Piks_am_Plüsch-Koala

Hier wird am Plüsch-Koala gezeigt, wie die Blutentnahme am Finger funktioniert. Foto: © privat

In insgesamt 30 Kitas, verteilt auf neun Bundesländer, fanden die anlassbezogenen Untersuchungen statt. 936 Personen, genauer gesagt 414 Kinder und 522 Erwachsene, unterstützten dabei die Studie. In den Hausbesuchen konnten von 934 Personen Mund-Nasen-Abstriche und von 864 Teilnehmenden Speichelproben gesammelt werden. Mit einem kleinen Piks am Finger zur Entnahme einiger Tropfen Blut waren 868 Personen einverstanden. Mithilfe dieser Proben konnten die Antikörper im Blut bestimmt werden.

Auch das Einsenden der selbst entnommenen Proben durch die Teilnehmenden funktionierte sehr gut, was sich an der hohen Zahl der Rücksendungen deutlich gezeigt hat. Bei den Speichelproben lag der Rücklauf zwischen 84 und 92%, bei den selbst entnommenen Mund-Nasen-Abstrichen wurden je nach Messzeitpunkt sogar zwischen 89 und 97% der Proben eingeschickt.

Schnappschuss beim Hausbesuch

Nach getaner Arbeit darf ein Erinnerungsfoto von diesem spannenden Tag nicht fehlen. Foto: © privat

Zwischenergebnisse zur Übertragungshäufigkeit in Kitas und Symptomatik

Eine vorläufige Auswertung von 25 Kitas aus dem Zeitraum Oktober 2020 bis Mai 2021 zeigt, dass die beobachteten Infektionsgeschehen in den untersuchten Kitas sehr unterschiedlich sind. Ausgehend vom ersten gemeldeten SARS-CoV-2-Fall (Indexfall) wurden oftmals nur wenige oder keine Übertragungen bei den Teilnehmenden in der Kita-Gruppe gefunden (sekundäre Fälle). In einer Kita wurden jedoch vier, in einer weiteren fünf und in einer Kita 13 weitere Ansteckungen in der Kita-Gruppe festgestellt.

In den Kitas, in denen der Indexfall ein Kind (n = 14) war, konnte eine Übertragung von SARS-CoV-2 auf 0 bis 20% der Kontaktpersonen in der Kita-Gruppe beobachtet werden (durchschnittlich 3,8%). In den Einrichtungen, in denen der Indexfall ein Erwachsener war (n = 11), wurde eine Übertragung auf 0 bis 81% der untersuchten Kontaktpersonen beobachtet (durchschnittlich 18,3%). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die genannte Verteilung der Indexfälle auf Kinder und Erwachsene nicht repräsentativ ist; es wurden bevorzugt Kitas mit Kindern als Indexfall ausgewählt, da die Ansteckungshäufigkeit durch Kinder die Hauptfrage der Studie ist.

Kinder haben sich in den Kita-Gruppen anteilig etwa gleich häufig mit SARS-CoV-2 angesteckt wie Erwachsene. Die genannten Zwischenergebnisse sind vorläufig – die vollständige Stichprobe wird im Moment (Stand Juli 2021) noch ausgewertet.

Zu auftretenden Krankheitssymptomen liegen derzeit erste Ergebnisse zu 30 Kita-Kindern und 45 Erwachsenen vor, die bei COALA positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Hier gaben 80% der infizierten Erwachsenen (n = 36/45) und 50% der infizierten Kita-Kinder (n = 15/30) im Tagebuch Symptome an. Die Hälfte der positiv getesteten Kita-Kinder war über den Beprobungszeitraum der COALA-Studie dementsprechend beschwerdefrei (asymptomatisch). Das häufigste Symptom bei Kindern war Schnupfen. Schwere Verläufe mit Fieber oder Atemnot wurden nicht dokumentiert. Es ist aber möglich, dass ein Teil der Kinder Symptome hatte, die bereits wieder verschwunden waren. Die Auswertung dieses Teils der Daten steht noch aus.

Die COALA-Studie mag hinsichtlich der Erhebung in Kitas, bei Kita-Kindern und deren Familien abgeschlossen sein, die wesentliche Forschungsarbeit – das Auswerten und Beurteilen der Daten – geht jedoch erst los. Wir können also in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere interessante Ergebnisse erwarten.

Dank an alle Beteiligten

Die COALA-Studienleitung bedankt sich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei allen, die zum Gelingen der Studie beigetragen haben. Neben dem Team der COALA-Studie gilt dieser Dank besonders den vielen Gesundheitsämtern, Kitas und vor allem den teilnehmenden Familien, die durch ihr Mitwirken die Studie ermöglicht haben und die Untersuchungsteams in ihrem Zuhause willkommen geheißen haben.

 

Mehr Infos zur COALA-Studie finden Sie auch auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts.

Weitere bisher veröffentlichte Informationen zur COALA-Studie lesen Sie im Monatsbericht April 2021 sowie im 4. Quartalsbericht II/2021 der Corona-KiTa-Studie.