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 | Deutsches Jugendinstitut

5. Quartalsbericht zur Corona-KiTa-Studie: Herausforderungen der Kindertagespflege, Impfquote in Kitas sowie psychische Belastung von Kita-Eltern

Im Verlauf der Coronapandemie war der Stellenwert der sprachlichen und motorischen Entwicklung der Kita-Kinder weiterhin hoch, ergänzende Förderbereiche konnten hingegen weniger verfolgt werden. Von Schwierigkeiten, eine bedarfsgerechte Betreuung anbieten zu können, berichteten im Studienverlauf verstärkt die Kindertagespflegepersonen, die ihre Teilnahme am KiTa-Register bzw. ihre Tätigkeit als solche komplett eingestellt haben. Mehr erfahren Sie in den Highlights des 5. Quartalberichts der Corona-KiTa-Studie .

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Ergebnisse aus der Leitungs- und Vertiefungsbefragung (CoKiss) zur Häufigkeit pädagogischer Aktivitäten

  • Die Förderung der sprachlichen, sozio-emotionalen und motorischen Entwicklung nahm auch in Pandemiezeiten den höchsten Stellenwert im Kita-Alltag ein. Ergänzende Förderbereiche sowie andere pädagogische Aufgaben wurden im Vergleich jedoch weniger umgesetzt. Aufgaben wie die Vorschularbeit, die Zusammenarbeit mit Eltern oder die interkulturelle Pädagogik waren in der zweiten Pandemiewelle (Dezember 2020 bis Februar 2021) besonders betroffen.
  • Komplexe (multivariate) Analysen der Angaben von Kita-Leitungen deuten darauf hin, dass die Umsetzung pädagogischer Aufgaben insbesondere mit pandemiebedingten und ressourcenbezogenen Faktoren in Zusammenhang steht, wie der Situation der Notbetreuung (im Vergleich zum eingeschränkten Regelbetrieb), Schwierigkeiten bzw. Konflikten im Kontext pandemiebedingter Änderungen des Kita-Alltags oder auch der Angst vor eigener Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. Konstante Einrichtungsmerkmale, wie die Größe oder Trägerschaft, spielen demnach keine bedeutsame Rolle.

Kindertagespflege – Besondere Herausforderungen in Zeiten der Pandemie

  • In Verbindung mit ihrer Abmeldung aus dem KiTa-Register teilten einzelne Kindertagespflegepersonen mit, dass sie ihre Tätigkeit im Zuge der Coronapandemie aufgegeben haben.
  • Als besondere Herausforderung für die Kindertagespflegepersonen wurden unter anderem die auch in Pandemiezeiten sehr hohe Auslastung, ökonomischer Druck, das Erleben der selbstständigen Tätigkeit als Einzelperson ohne unterstützendes Team, die Anwendung von Schutz- und Hygienemaßnahmen, aber auch familiäre Belastungen, etwa durch Homeschooling eigener Kinder, angegeben.

Impfquote des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen

  • Der Anteil des pädagogischen Personals mit mindestens einer Impfung gegen COVID-19 steigt weiterhin kontinuierlich und liegt im aktuellen Berichtszeitraum mit 83,2% deutlich über der Impfquote aller 18- bis 59-Jährigen in der Gesamtbevölkerung.
  • Bei den Impfquoten sind deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern und auch zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern erkennbar. Sie reichen in KW 32 von 58,5% in Sachsen bis zu 89,2% in Nordrhein-Westfalen.
  • Einrichtungen mit einem hohen Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligten Hintergrund unterscheiden sich nicht von anderen Einrichtungen in der Impfquote des Personals.

Modul COALA: Psychische Belastung von Kita-Eltern und Kita-Beschäftigten in Quarantäne

  • Die Ergebnisse der Befragungen zeigen, dass Nervosität, Ängstlichkeit und Anspannung häufige Symptome in der Quarantäne sind. 44% der befragten Kita-Eltern und 54% der befragten Kita-Beschäftigten berichten an einzelnen Tagen bis beinahe jeden Tag der Quarantäne davon betroffen zu sein. Quarantänebedingte Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen werden in beiden Gruppen ebenfalls häufig angegeben. 42% der befragten Kita-Eltern und 68% der befragten Kita-Beschäftigten berichten von diesem Problem.
  • Unter den abgefragten Sorgen während der Quarantäne nehmen die Sorge um die Gesundheit anderer und die Sorge um die eigene Gesundheit eine bedeutende Rolle in beiden Gruppen ein. Bei Kita-Eltern kommt die Belastung durch die Versorgung von Kindern zu Hause hinzu, welche von 68% der Befragten mindestens an einzelnen Tagen erlebt wird.

Modul CoKiss: Ergebnisse aus der Online-Kurzbefragung „Kinderbetreuung in Deutschland“

  • In den letzten Monaten konnten sich wieder viele Eltern auf die öffentliche Betreuung ihres Kindes in der Kindertagesbetreuung verlassen. Von Anfang Juli bis Anfang August 2021 (KW 26–KW 30) lag der Anteil der betreuten Kinder laut KiBS-Elternbefragung bei 87%.
  • Trotz der doppelten Herausforderung, berufliche Verpflichtungen zu erfüllen und zumindest phasenweise die Betreuung des Kindes zu organisieren, waren berufstätige Eltern über den Studienzeitraum hinweg nur leicht bis mittelmäßig durch die Betreuung und Erziehung ihres Kindes belastet.

Modul KiTa-Register: Ergebnisse zu den derzeitigen Betreuungskapazitäten

  • In den Ländern, die noch keine Sommerferien haben, besucht auch in den Kalenderwochen 29 (19.07.–25.07.2021) bis KW 32 (09.08.–15.07.2021) ein hoher Anteil an Kindern eine Einrichtung bzw. eine Kindertagespflegestelle. Bundesweit erreichen die Inanspruchnahmequoten einen Werte von ca. 77%.
  • Die Inanspruchnahmequoten in der Kindertagespflege sind ferienbedingt ebenfalls rückläufig. Zudem werden die bisher niedrigsten Werte zu gemeldeten SARS-CoV-2-Infektionen verzeichnet (bei der Kindertagespflegeperson selbst, Mitgliedern ihres Haushaltes, bei den betreuten Kindern oder deren Eltern).

Modul CATS: Ergebnisse aus den Surveillancesystemen des RKI

  • Insgesamt befindet sich die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) bei Kindern im Alter von 0 bis 5 Jahren seit Anfang Juni 2021 auf einem höheren Niveau als in den Jahren vor Beginn der Pandemie (2016–2019). Diese höheren Werte könnten auf einen „Nachholeffekt“ hinweisen, da die Zirkulation vieler Atemwegserreger im Rahmen der Kontaktbeschränkungen vorher massiv zurückgegangen war. Seit Mitte August 2021 war wieder ein Anstieg der ARE-Rate zu beobachten, vermutlich bedingt durch die abnehmende Feriendichte und höhere Kontaktrate. In KW 34 (23.08.–29.08.2021) wurden wöchentlich rund 552.000 ARE bei den 0 bis 5 Jahre alten Kindern geschätzt.
  • Seit Mitte Juli 2021 nahm der Anteil der an SARS-CoV-2-positiv getesteten Kinder im Alter von 0 bis 5 Jahren, die bundesweit auf SARS-CoV-2 getestet wurden, sehr rasch zu und befand sich Ende August 2021 bei 8,4%. Dieser Wert liegt, bei etwa ähnlicher Testhäufigkeit, deutlich über dem Niveau des Vorjahres (KW 34/2020: 0,8%). Der Positivenanteil in KW 34/2021 war bei den älteren Kindern höher und betrug bei den 6- bis 10-Jährigen 9,9% und bei den 11- bis 14-Jährigen 18,2%.
  • Ähnlich zum Verlauf des Positivenanteils nehmen die Fallzahlen bei Kindern im Alter von 0 bis 5 Jahren seit Juli 2021 wieder sehr deutlich zu. Möglicherweise besteht hier auch ein Zusammenhang mit der Zirkulation der Delta-Variante. Im Vorjahr stieg die Meldeinzidenz nach Ende des Sommers erst etwa ab Oktober wieder deutlich an. Der jetzige Anstieg setzte bei den 0- bis 5-Jährigen im Vergleich zu den älteren Kindern und Jugendlichen später ein und ist auch weniger stark ausgeprägt. Für KW 34 (23.08.–29.08.2021) wurden 3.567 Fälle im Alter von 0 bis 5 Jahren übermittelt (75 Fälle/100.000). Damit hat die Inzidenz der jüngsten Altersgruppe Ende August 2021 bereits in etwa das Niveau der Höchstwerte während der zweiten Welle (Dezember 2020) erreicht. Bei einem sinkenden Anteil der Fälle unter den 15 bis 20 Jahre alten Personen war der Anteil der 0- bis 5-Jährigen an allen Meldefällen seit Mitte Juli 2021 wieder ansteigend, er entsprach in KW 34 mit 5,7% genau dem Bevölkerungsanteil.
  • Die Zahl der übermittelten Kita/Hort-Ausbrüche befand sich seit Mitte Juni 2021 mit unter 20 neu übermittelten Ausbrüchen pro Woche auf einem sehr niedrigen Niveau. Bei einer während der zweiten Welle ähnlichen Inzidenz werden nun deutlich weniger Ausbrüche übermittelt als in den Monaten November/Dezember 2020. Während im Vorjahr in den Monaten Juni/Juli die 0- bis 5-Jährigen lediglich 27% an allen Kita-Ausbruchsfällen ausmachten, waren es im Juni/Juli 2021 48%.