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7. Quartalsbericht: Pandemiegeschehen in der Kindertagespflege

Auch im 7. Quartalsbericht der Corona-KiTa-Studie wird der Pandemieverlauf in der Kindertagespflege thematisiert. Im Fokus stehen dabei die Öffnungen und Schließungen, die Umsetzung von Schutzmaßnahmen sowie Verdachts- und Infektionsfälle während der 4. und 5. Pandemiewelle.

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Die Auslastung in der Kindertagespflege bewegte sich in der vierten und fünften Pandemiewelle ähnlich wie bei den Kindertageseinrichtungen auf einem hohen Niveau. Seit dem letzten Berichtszeitraum von KW 41 bis KW 48/2021 (11.10.–05.12.2021) zeigt sich bei den Inanspruchnahmequoten in der Kindertagespflege ein leichter Anstieg. So berichteten die Kindertagespflegestellen in der KW 48 (29.11.–05.12.2021) durchschnittlich einen Wert von 87%, welcher in der KW 14 (04.04.–10.04.2022) auf 93% angestiegen ist. Hierbei wurde das Niveau der Sommermonate Juni und Juli 2021 wieder annähernd erreicht, auch wenn sich die Infektionslage zu diesen beiden Zeitpunkten deutlich unterschied.

Während ein Jahr zuvor, d. h. im Januar 2021 zur Zeit des zweiten nahezu flächendeckenden bundesweiten Lockdowns, die Auslastung in der Kindertagespflege auf 50 bis 60% sank, verzeichnet die Kindertagespflege ein Jahr später trotz deutlich höherer Infektionszahlen eine Auslastung von über 90%. Auch hier spiegelt sich die Strategie des Offenhaltens der Kindertagesbetreuungsangebote in der vierten und fünften Pandemiewelle wider, die Kindern einen kontinuierlichen Zugang zur Kindertagesbetreuung sichern sollte.

Betreute Kinder in Kindertagespflegestellen bis April 2022
Anteil der jeweils aktuell betreuten Kinder in den teilnehmenden Kindertagespflegestellen mit einem Platz in den Kalenderwochen KW 36/2020 bis KW 14/2022 (31.08.2020–10.04.2022). Die Kindertagespflegestellen wurden gefragt, wie viele Kinder in der aktuellen Kalenderwoche durchschnittlich pro Tag ihre Kindertagespflegestelle besuchten. Für jede Einrichtung wurde der Anteil der betreuten Kinder berechnet, indem die Anzahl der Kinder zum Zeitpunkt der Befragung in Bezug zu einem Referenzwert gesetzt wurde. Referenzwerte sind bis zur KW 9/2021 (01.03.–07.03.2021) jeweils die Kinderanzahl vor Beginn der Coronapandemie im Frühjahr 2020; ab der KW 9/2021 die Anzahl der Kinder, die am 01.03.2021 einen Betreuungsvertrag mit der Einrichtung hatten (Datenstand 21.04.2022, n = 562 [KW 37/2020] – 557 [KW 14/2021]).

Umsetzung von Schutzmaßnahmen in der Kindertagespflege

Im Laufe der Pandemie wurde auch für Kindertagespflegestellen die Umsetzung verschiedener Schutzmaßnahmen empfohlen. Wie bei den Kindertageseinrichtungen wird im KiTa-Register erhoben, welche Schutzmaßnahmen in der jeweiligen Woche angewendet wurden. So lässt sich für den Zeitraum ab Juni 2021 (KW 23; 07.06.–13.06.2021) differenziert nachzeichnen, welche Maßnahmen Kindertagespflegestellen umsetzen. Dabei wird im Folgenden unterschieden, ob es sich um singulär arbeitende Kindertagespflegepersonen handelt, die in einem kleineren Setting überwiegend im eigenen Wohnumfeld arbeiten, oder ob es sich um Zusammenschlüsse von (häufig zwei) Kindertagespflegepersonen handelt, die ihre jeweiligen Kindergruppen zusammen, meist in angemieteten Räumen, betreuen (Großtagespflege/Kindertagespflege im Verbund).

Unterschiedliche Schutz- und Hygienemaßnahmen in der Kindertagespflege_KW23-2021 bis KW14-2022
Implementierung unterschiedlicher Schutz- und Hygienemaßnahmen in der Kindertagespflege im Zeitverlauf. KW 23/2021 bis KW 14/2022 (07.06.2021–10.04.2022); n = 796 (KW23/2021) – 557 (KW14/2022) Kindertagespflegestellen.

In obiger Grafik wird deutlich, dass ab dem Herbst 2021 das regelmäßige Testen von Kindertagespflegepersonen und Kindern deutlich zugenommen hat, was auch bei den Kindertageseinrichtungen zu beobachten war.

Während sich in KW 14 (04.04.–10.04.2022) 82% der singulär arbeitenden Kindertagespersonen regelmäßig testeten und in 63% dieser Kindertagespflegestellen auch die Kinder getestet wurden, waren es in Zusammenschlüssen 84% der Kindertagespflegepersonen und in 73% dieser Kindertagespflegestellen wurden auch die Kinder regelmäßig getestet. Im Setting der im Zusammenschluss arbeitenden Kindertagespflege werden Kinder und Betreuende demnach ähnlich häufig getestet wie im Setting der Kindertageseinrichtungen.

Auf nahezu unverändert sehr hohem Niveau wird in Kindertagespflegestellen regelmäßig gelüftet (98%). Auch die Desinfektion von Oberflächen wird regelmäßig durchgeführt (75–79%). Hier sind zudem keine großen Unterschiede zwischen singulär und im Zusammenaschluss arbeitenden Kindertagespflegepersonen zu erkennen.

Mit Ausnahme des Testens werden andere Maßnahmen wie das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen oder die regelmäßige Temperaturmessung bei den Kindern seit Juni 2021 nahezu unverändert selten (und offenbar inzidenzunabhängig) durchgeführt. Die Temperaturmessung wird bei den betreuten Kindern in der Kindertagespflege häufiger als Schutzmaßnahme angewandt als in Kindertageseinrichtungen (15% zu 5%, vgl. KW 14; 04.04.–10.04.2022). Zudem tragen Kindertagespflegepersonen seltener eine Mund-Nasen-Bedeckung im Umgang mit den Kindern im Vergleich zu Mitarbeitenden in Kindertageseinrichtungen (18% zu 41%). Zu bedenken ist hierbei, dass Kindertagespflegepersonen zum Großteil unter dreijährige Kinder betreuen. Die Umsetzung dieser Maßnahme ist in einem Setting mit sehr jungen Kindern unter Umständen schwieriger als im Umgang mit Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt.

Zudem fällt auf, dass nur sehr wenige Kindertagespflegezusammenschlüsse (3%) je Kindertagespflegeperson getrennte Räume nutzen, also ähnlich wie Einrichtungen, eine Art von Gruppentrennung praktizieren. Allerdings handelt es sich hier um sehr kleine Settings von in der Regel weniger als 15 Kindern und die Umsetzung einer derartigen Maßnahme kann zudem auch durch räumliche Restriktionen begrenzt sein. Der bei den Kindertageseinrichtungen zu beobachtende Rückgang bestimmter Hygienemaßnahmen ist bei der Kindertagespflege nur ansatzweise zu beobachten.

Verdachts- und Infektionsfälle sowie pandemiebedingte Schließungen in Kindertagespflegestellen

Mit dem Aufkommen der vierten Pandemiewelle konnte bereits für den letzten Berichtszeitraum von KW 42 bis KW 48/2021 (18.10.–05.12.2021) gezeigt werden, dass Verdachts- oder Infektionsfälle (bei der Kindertagespflegeperson selbst, Mitgliedern ihres Haushaltes, bei den betreuten Kindern oder deren Eltern) sowie pandemiebedingte Schließungen von Kindertagespflegestellen neue Höchststände erreicht hatten.

Mit Übergang in die fünfte Pandemiewelle sind im vorliegenden Berichtszeitraum von KW 49/2021 bis KW 14/2022 (06.12.2021–10.04.2022) nochmals deutliche Steigerungen zu verzeichnen. In KW 14 (04.04.–10.04.2022) meldeten rund 18% der teilnehmenden Kindertagespflegestellen einen Infektionsfall bei der Kindertagespflegeperson selbst, Mitgliedern ihres Haushaltes, bei den betreuten Kindern oder deren Eltern, in der KW 11 (14.03–20.03.2022) lag der Wert noch bei 25%. Knapp 10% der Kindertagespflegestellen meldeten in der KW 14 (04.04.–10.04.2022) eine infektionsbedingte Schließung; dieser Wert blieb über die fünfte Welle relativ konstant. Die Anzahl der Verdachtsfälle ist erstmals niedriger als die Anzahl der Infektionsfälle. Es wird deutlich, dass auch die Kindertagespflege von den aktuellen Herausforderungen des insgesamt sehr hohen Infektionsgeschehens betroffen ist.

Verdachts- und Infektionsfälle in der KTP bis April 2022
SARS-CoV-2-Verdachts- und Infektionsfälle in Kindertagespflegestellen (bei der Kindertagespflegeperson selbst, Mitgliedern ihres Haushaltes, bei den betreuten Kindern oder deren Eltern) in den Kalenderwochen 33/2020 bis 14/2022 (11.08.2020–10.04.2022) sowie infektionsbedingte Schließungen in den Kalenderwochen 12/2020 bis 14/2022 (16.03.2020–10.04.2022). In den Kalenderwochen 53/2020 und 52/2021 wurden keine Daten erhoben. Der Anteil der Kindertagespflegestellen (in %) an allen in der jeweiligen Kalenderwoche teilnehmenden Kindertagespflegestellen ist an der Y-Achse abzulesen. Der Anteil der Verdachtsfälle wurde durch eine Änderung der Berechnung (auch rückwirkend) an die Berechnung bei den Kindertageseinrichtungen angepasst, so dass sich Abweichungen zu den Ergebnissen vergangener Berichte ergeben. Die Zahlen innerhalb der Grafik entsprechen der Anzahl der Kindertagespflegestellen, die mindestens einen Verdachts- oder Infektionsfall angegeben haben oder aufgrund eines Verdachts- oder Infektionsfalls mindestens einen Tag pro Woche geschlossen hatten (Datenstand 21.04.2022).