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7. Quartalsbericht II/2022: Schutzmaßnahmen und Boosterquote in Kitas

Auf Basis des KiTa-Registers lässt sich beobachten, wie sich die Umsetzung einzelner Schutzmaßnahmen im Zeitraum von Juni (KW 23; 07.06.–13.06.2021) bis zur KW 14/2022 (04.04.–10.04.2022) gestaltet hat.

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Umsetzung von Schutzmaßnahmen in Kindertageseinrichtungen

Einhergehend mit dem Auftreten der vierten und fünften Pandemiewelle zeigt sich im aktuellen Berichtszeitraum (KW 49 bis KW 14; 06.12.2021–10.04.2022) zunächst ein deutlicher Anstieg bei der Umsetzung der meisten Schutzmaßnahmen, allerdings wurde ein Teil der Hygienemaßnahmen ab ca. Ende Februar 2022 deutlich zurückgefahren. So stieg die Anwendung von regelmäßigen Tests beim Personal bis Mitte Februar noch deutlich an, ist anschliessend aber wieder auf 87% und bei den Kindern auf 75% gesunken.

Für das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen beim Personal außerhalb der Gruppe sowie in Ansätzen beim Umgang mit Kindern zeigt sich ebenfalls eine rückläufige Tendenz in den letzten Wochen des Berichtszeitraums. Insbesondere das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen im Umgang mit Kindern steht im Verdacht, auch die kindliche Fähigkeit, Emotionen zu lesen, zu beeinträchtigen. Mehrere Studien berichten zudem, dass das Tragen von Gesichtsmasken einen negativen Einfluss auf die Interaktionsqualität zwischen Fachkräften und Kindern hat. Allerdings reduziert das Tragen von Masken im Umgang mit Kindern auch meßbar die Verbreitung von Infektionen innerhalb der Einrichtung.

Bei der Kontaktreduktion, d. h. bei der Gruppentrennung im Innen- und Außenbereicht sowie bei der festen Gruppenzuweisung des Personals, wird ebenfalls ein im Februar 2022 einsetzender Abwärtstrend deutlich. Dies ist insofern bedenklich, da sich vor allem Maßnahmen zur Kontaktreduktion zwischen Gruppen bisher als besonders effizient für das Vermeiden von Infektionen erwiesen haben.

Anhaltend und auf sehr hohem Niveau (99%) wird weiterhin gelüftet. Auch die Desinfektion von Oberflächen wird von einem Großteil der Einrichtungen (84%) konstant durchgeführt. Die regelmäßige Temperaturmessung bei Kindern (5%) und beim Personal spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle, gehörte aber auch nicht zu den empfohlenen Schutzmaßnahmen für Kindertageseinrichtungen.

Diese Rücknahme von erwiesenermaßen wirksamen, wenn auch z. T. eher personalintensiven Corona-Schutzmaßnahmen ist einerseits durch die sukkzessiven Lockerung bzw. des Wegfalls der meisten Corona-Schutzmaßnahmen ab dem 19.03.2022 (in den meisten Bundesländern mit Übergangsfrist ab dem 02.04.2022) bedingt. Allerdings ist der langsamere, schon ab Mitte Februar 2022 einsetzende Rückgang vieler, vor allem personalintensiver Maßnahmen wie der Gruppentrennung im Innen- und Aussenbereich und der festen Gruppenzuweisung des Personals auch vor dem Hintergrund der Belastungssituation der Kita-Mitarbeitenden plausibel. Wenn durch krankheitsbedingte Ausfälle eine hohe Kita-Auslastung mit weniger Fachkräften bewältigt werden musste, war ein Festhalten an kontaktreduzierenden Maßnahmen – wie einer strikten Trennung der Gruppen oder einer festen Personalzuweisung zu Gruppen – eine zusätzliche Belastung für die Einrichtungen und stellenweise organisatorisch nicht mehr umsetzbar.

Implementierung unterschiedlicher Schutz- und Hygienemaßnahmen in den Kindertageseinrichtungen im Zeitverlauf. KW 23 bis KW 14; 07.06.– 10.04.2022
Implementierung unterschiedlicher Schutz- und Hygienemaßnahmen in den Kindertageseinrichtungen im Zeitverlauf. KW 23 bis KW 14; 07.06.– 10.04.2022; n = 5.299–3.410 Einrichtungen.

Entwicklung der Boosterquote beim Personal

Die Entwicklung der Impfquote in Kindertageseinrichtungen wird seit dem Monatsbericht Juli 2021 auf Basis der Daten des KiTa-Registers beobachtet. Einrichtungsleitungen wurden seit dem Update des KiTa-Registers in der KW 23 (07.06.–13.06.2021) wöchentlich gefragt, wie viele Personen des pädagogischen Personals bis zur jeweils aktuellen Kalenderwoche wenigstens eine Erstimpfung gegen COVID-19 erhalten haben. Mit einem weiteren Update des Registers in der KW 1 (03.01.–09.01.2022) wurde zudem die sog. Boosterquote erhoben, d. h. es wurde gefragt, wie hoch der Anteil am Personal ist, der bereits über eine dritte Impfung verfügt. Diese 1. Auffrischungsimpfung nach der Grundimmunisierung steht in Deutschland ab dem Herbst 2021 zur Verfügung und geht mit einer nachweislich höheren Schutzwirkung einher, insbesondere auch gegen schwere Verläufe nach einer Infektion mit der Omikron-Variante.

Mit insgesamt 70% in KW 1/2022 hatte bereits zu Beginn der Abfrage ein sehr hoher Anteil am pädagogischen Personal die dritte Impfung erhalten. Bis zur KW 11 (14.03.–20.03.2022) stieg dieser Anteil kontinuierlich auf 84% an. In den darauffolgenden Wochen (KW 11 bis 14; 14.03.–10.04.2022) ist eine Stagnation zu beobachten. Kita-Fachkräfte weisen dennoch eine deutlich höhere Quote auf als die Gesamtbevölkerung über 18 Jahren, deren Anteil bei 68,7% liegt (Stand 21.04.2022.) 

Als Personen mit Auffrischungsimpfung gelten diejenigen, die eine weitere Impfung nach abgeschlossener Grundimmunisierung erhalten haben.

Die für den Zeitraum des 7. Quartalberichts (KW 14; 04.04.–10.04.2022) berichtete Erstimpfungsquote beim Personal ist mit 86% deutschlandweit nur wenig höher. Wie bereits bei der Erstimpfungsquote (QB 6/2021) zeigen sich auch bei der Boosterquote deutliche Bundesländer- und Ost-West-Unterschiede. So lag die durchschnittliche Boosterquote in Ostdeutschland in der KW 1 (03.01.–09.01.2022) bei 53% und erreicht in der KW 14 (04.04.–10.04.2022) 71%. In Westdeutschland startet die Boosterquote in KW 1 mit 73% und erreicht in der KW 14 86%. Bis in KW 14 (04.04.–10.04.2022) gab es noch immer einzelne Bundesländer, in denen nur knapp 60% der Beschäftigten über einen umfassenden Impfschutz verfügen. Die Boosterquote hat sich insgesamt der Erstimpfungsquote weiter angenähert – diese lag in der KW 14 deutschlandweit bei 87%, in Ostdeutschland bei 78% und in Westdeutschland bei 88%.

Allerdings zeigen jüngste Untersuchungen, dass der Schutz vor Infektionen durch die Impfung des Personals bei der Omikron-Variante deutlich zurückgeht – dies gilt sowohl für die Erstimpfung als auch für die Booster-Impfung. So zeigte die Impfung zwar einen deutlichen Schutzeffekt gegenüber Ansteckungen des Personals mit der Delta-Variante, bietet aber wenig Schutz gegen eine Ansteckung des Personals mit der Omikron-Variante. Die Impfung schützt aber nach wie vor nachweislich vor schweren Verläufen.

Boosterquoten des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen das bisher mindestens drei Impfungen gegen COVID19 erhalten hat
Boosterquoten/Anteil des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen, das bisher mindestens drei Impfungen gegen COVID-19 erhalten hat; nach Angabe der Einrichtungsleitung, nach Bundesländern bzw. Ost- und Westdeutschland im Zeitverlauf (KW 1; 03.01.–09.01.2022 bis KW 14; 04.04.–10.04.2022, n = 4.405–3.411 Einrichtungen, 3.995 durchschnittlich). Etwaige Schwankungen nach unten sind auf Kitas zurückzuführen, die ihre Teilnahme am KiTa-Register beenden bzw. in denen es Veränderungen in der Zahl der insgesamt Beschäftigten gab. (Datenstand 21.04.2022).

Zur Berechnung der Boosterquote:

Um die Boosterquote zu berechnen, wird die Anzahl an Beschäftigten mit dritter Impfung durch die Anzahl des derzeit insgesamt beschäftigten pädagogischen Personals in der Kindertageseinrichtung geteilt. Aufgrund der Formulierung der Abfrage kann davon ausgegangen werden, dass hier der Anteil derer genannt wird, welche tatsächlich drei Impfungen erhalten haben. Durch die Abfrage der genauen Anzahl kann im Vergleich zu beispielsweise kategorisierten Abfragen (z. B. sehr wenige bis sehr viele) insgesamt von einer eher konservativen Schätzung ausgegangen werden. Bei der Abfrage ist zu beachten, dass es sich um eine Einschätzung der Leitung und nicht um eine direkte Abfrage beim pädagogischen Personal handelt.