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7. Quartalsbericht II/2022: Ergebnisse des KiTa-Registers

Das KiTa-Register stellt eine wöchentliche, onlinebasierte Abfrage dar. Ziel ist es, aktuell und regional differenziert zu dokumentieren, wie sich die Pandemie auf das Betreuungsgeschehen auswirkt und steuerungsrelevante Informationen für Träger, Kommunen, Bund und Länder zur Verfügung zu stellen. Zur Teilnahme sind alle Kindertageseinrichtungen (Kitas) und Kindertagespflegepersonen in Deutschland aufgerufen.

Kindergarten-Gruppe und Erzieherin_Bauklötze

Öffnungsgeschehen in Kindertageseinrichtungen von Dezember 2021 bis April 2022

Der letzte Berichtszeitraum KW 42 bis 48/2021 (18.10.–05.12.2021) lag innerhalb der von Delta dominierten vierten Pandemiewelle in Deutschland. Ihr folgte ab ca. KW 2/2022 (10.01.–16.01.2022) die SARS-CoV-2-Variante Omikron. Wie auch im letzten Berichtszeitraum befanden sich die Einrichtungen weitestgehend im Regelbetrieb.

Mit 1.167 Fällen pro 100.000 Einwohner lag die 7-Tage-Inzidenz in KW 14 (04.04.–10.04.2022) während der fünften Welle auf einem deutlich höheren Niveau als noch zum Jahresende 2021. Insgesamt haben die dem KiTa-Register gemeldeten Infektionen in Kindertageseinrichtungen die Werte aus der vierten Welle deutlich übertroffen. Dies trifft ebenfalls auf den Anteil an gemeldeten verdachts- und infektionsbedingten Schließungen zu. In KW 4 und 5 (24.01.–06.02.2022) erreichten die Schließungen mit 15% Gruppenschließungen und 3% Einrichtungsschließungen einen neuen vorläufigen Höchststand, bevor sie wieder auf 6% Gruppenschließungen und 1% Einrichtungsschließungen in KW 14 (04.04.–10.04.2022) sanken.

Als relativ konstant erweist sich der Anteil der betreuten Kinder, der im aktuellen Berichtszeitraum (KW 49 bis KW 14; 06.12.2021–10.04.2022) 86% betrug. Regionale Unterschiede sind allerdings zu beobachten und es hat zudem kurz nach dem Jahreswechsel 2021/22 einen deutlichen Einbruch der Inanspruchnahmequote gegeben. Die Register-Frage nach den Anteilen coronabedingt nicht oder nur mittelbar am Kind eingesetzten Personals wurde Anfang 2022 überarbeitet und erfragt nun auch den Anteil an Personal, welches aufgrund anderer Atemwegserkrankungen nicht eingesetzt wird. Hierbei zeigt sich, dass der Personalausfall insgesamt mit ca. 20% konstant sehr hoch angegeben wird. Dieser lässt sich hauptsächlich auf pandemiebedingte Ausfälle, auf andere Atemwegserkrankungen sowie auf eine zunehmende Urlaubsquote zurückführen. Insgesamt spricht die trotz der hohen Personalausfälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hohe Inanspruchnahmequote dafür, dass den Kindertageseinrichtungen zumindest strukturell der Umgang mit den Herausforderungen der inzwischen fünften Pandemiewelle gelingt.

Hier geht es zum Corona-KiTa-Dashboard

Die sich ebenfalls mit dem Jahreswechsel 2021/22 fast verdoppelten Urlaubsraten können jedoch als ein Indikator dafür gelesen werden, dass der Erschöpfungszustand beim Personal hoch ist, und wohl weiter steigt. Für die aktuell außergewöhnliche Belastungssituation spricht vor allem das Stimmungsbild in den Einrichtungen, das sich seit dem Ende der Weihnachtsferien 2021/22 nicht nur deutlich verschlechtert hat, sondern mit dem Gipfel an infektionsbedingten Schließungen in der fünften Welle (KW 6; 07.02.–20.02.2022) auch einen neuen Tiefstand erreicht; seit dem Update dieser Befragung in der KW 23 (07.06.–13.06.2022) war es laut Einrichtungsleitungen noch nie so schwierig, eine bedarfsgerechte Betreuung zu gewährleisten (Höchstwert von 3,4 in der KW 6/2022).

Anteile an SARS-CoV-2-Infektionsfällen bei Kindern und Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen

Mit über 70% an Einrichtungen, die in den Kalenderwochen 05–06 (31.01.–13.02.2022) und 11–12 (14.03.–27.03.2022) eine Infektion bei Beschäftigten, Kindern oder Eltern meldeten, hatten die Infektionszahlen im Kita-Umfeld während der fünften Pandemiewelle neue Höchststande erreicht.

In den Wellen zwei (Herbst und Winter 2020) und drei (Frühjahr 2021) waren nicht einmal 1% aller Personen je Woche im Kita-Umfeld mit dem Virus infiziert. Im Herbst 2021 kam es hingegen zu einem deutlichen ersten Anstieg (Delta-Variante). Ab der KW 3 (17.01.–23.01.2022) stiegen die Zahlen nochmals dramatisch an und erreichten neue wöchentliche Höchststände. Für über 5% der Kinder und 5% des pädagogischen Personals wurden den zugrundeliegenden Berechnungen zufolge in der KW 5/2022 (31.01.–06.02.2022) eine neue Infektion gemeldet. Erst ab der KW 12/2022 (21.03.–27.03.2022) kam es zu einem deutlichen Abflachen der Kurven. Insgesamt war das relative Risiko für eine Infektion beim Personal in der letzten Welle etwas höher als bei den Kindern.

7.QB_Anteil der SARS-CoV-2-Infektionsfälle bei Kindern und beim Personal in Kindertageseinrichtungen in Deutschland nach Kalenderwochen
Anteil der SARS-CoV-2-Infektionsfälle bei Kindern und beim Personal in Kindertageseinrichtungen in Deutschland nach Kalenderwochen (jeweils in % der Kinder und Beschäftigten). Hierfür wurde jeweils die wöchentliche Anzahl gemeldeter Infektionen sowie die aktuell (in der Vorwoche) die Einrichtung besuchende Anzahl an Kindern und das insgesamt in der Einrichtung beschäftigte Personal in Relation gesetzt. (Datenstand 31.04.2022).

Anteile betreuter Kinder und Personaleinsatz in den Kindertageseinrichtungen

Nach einem kurzen Anstieg im Januar 2022 sank bis Mitte Februar die bundesweite Inanspruchnahmequote mit Öffnung der Kitas kontinuierlich auf unter 80%. Ab Mitte Februar lag die Inanspruchnahmequote wieder bei über 80% und ist bis April wieder etwas angestiegen. Für die KW 14 (04.04.–10.04.2022) berichteten die Einrichtungen eine Auslastungsquote von 86. Wird die Inanspruchnahmequote mit dem Geschehen aus dem letzten Winter 2020/21 verglichen, zeigt sich, dass in der vierten und fünften Pandemiewelle wesentlich mehr Kinder eine Kindertageseinrichtung besuchten. Im Jahr 2021 waren die Monate Januar und Februar noch geprägt von bundeslandweiten, lockdownbedingten Zugangsreglementierungen und stellenweise Notbetreuungsbetrieb. Das Offenhalten der Einrichtungen mit lokalen, rein infektionsbedingten (kurzen) Schließungen einzelner Gruppen und Einrichtungen, wie sie im Winter 2021/22 praktiziert wurde, brachte eine deutliche Erhöhung der Inanspruchnahmequote mit sich – selbst wenn aktuell wesentlich mehr Einrichtungen Gruppen- und Einrichtungsschließungen berichten.

Bundesweite Inzidenzen und Personaleinsatz in Kitas

Zum Abschluss des letzten Berichtszeitraums (KW 48; 29.11.–05.12.2021) betrug die durchschnittliche Inzidenz in Deutschland 463; die höchsten Inzidenzen von über 500 wurden aus dem Süden und Osten der Bundesrepublik gemeldet. Bis zur KW 14/2022 ist die 7-Tage-Inzidenz mit der fünften Welle zunächst deutschlandweit deutlich gestiegen, und danach auf bundesweit 1.167 gesunken. Die höchste Inzidenz (>1.500) wurde dabei aus dem Saarland gemeldet. Die niedrigsten Inzidenzen (>500–1.000) wurden aus Berlin und Brandenburg berichtet.

Der coronabedingte Personalausfall ist mit 11% in Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz am höchsten, gefolgt von Niedersachsen und Sachsen mit 10%. Die niedrigsten Werte wurden mit 6% aus Brandenburg, 7% aus Berlin und Nordrhein-Westfalen gemeldet. Die Ausfälle aufgrund sonstiger Atemwegserkrankungen waren insbesondere im Saarland mit 13% und in Hamburg mit 10% am höchsten.

In der KW 14 (04.04.–10.04.2022) wurden 80% des Personals unmittelbar am Kind eingesetzt. 9% der Mitarbeitenden konnte coronabedingt und 8% aufgrund anderer Atemwegserkrankungen nicht eingesetzt werden. Lediglich 1% wurde mittelbar eingesetzt.

Der Anteil der pädagogisch Beschäftigten, die während der fünften Welle unmittelbar im Kontakt mit Kindern eingesetzt wurden, bewegte sich im Februar und März 2022 zwischen 77 und 79%. 10 bis 12% des Personals konnte coronabedingt nicht unmittelbar am Kind eingesetzt werden. 8 bis 9% waren aufgrund anderer Atemwegserkrankungen nicht einsetzbar. Mit dem Rückgang der fünften Welle sanken die Zahlen zuletzt wieder leicht. Zudem bewegte sich der Anteil an Personal im Urlaub im Februar und März 2022 bei ca. 4 bis 6% und hatte sich damit gegenüber KW 02–03 (10.01.–23.01.2022 mit 2 bis 3%) verdoppelt.

7.QB_Einsatz des pädagogischen Personals (Anteile in %) in den Kalenderwochen 33-2020 bis 14-2022
Einsatz des pädagogischen Personals (Anteile in %) in den Kalenderwochen 33/2020 bis 14/2022 (10.08.2020– 10.04.2022). Die Abbildung zeigt den Anteil der drei genannten Kategorien an der Anzahl des gesamten pädagogischen Personals. Die bis KW 51/2021 drei abgebildeten Kategorien ergeben in der Summe weniger als 100%. Diese Differenz erklärt sich aus pädagogisch Beschäftigten und pädagogisch tätigen Leitungen, die mittelbar oder überhaupt nicht eingesetzt wurden, jedoch nicht aufgrund der Coronapandemie (z. B. wegen Urlaub; ab der KW 1/2022 wurde die Frage verändert und zusätzlich die Kategorien "im Urlaub“ und „nicht eingesetzt aufgrund anderer Atemwegserkrankungen“ aufgenommen. Zu beachten ist, dass es aufgrund von Mehrfachnennungen innerhalb einer Woche zu Gesamtsummen über 100 % kommen kann (Datenstand 21.04.2022).

Zusammenfassend verzeichnete das KiTa-Register relativ hohe Inanspruchnahmequoten, allerdings auch einen im Vergleich zur Vorweihnachtszeit 2021 drastischen Anstieg des coronabedingt nicht einsatzfähigen Personals. Zudem verdeutlicht die obenstehende Abbildung, dass es im Winter 2022 nicht nur coronabedingt, sondern auch aufgrund anderer Atemwegserkrankungen zu größeren Personalengpässen gekommen ist. Insgesamt melden die Einrichtungen im Vergleich zu den Monaten Januar und Februar 2021 einen deutlichen Anstieg der Infektionszahlen und vermelden deutlich mehr Gruppenschließungen und Einrichtungsschließungen.

Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum, d. h. den ersten Wochen des Jahres 2021 fällt auf, dass sich insbesondere die Anzahl der betreuten Kinder merklich unterscheidet. In den ersten Wochen des Jahres 2021 waren aufgrund restriktiver Zugangregeln teilweise weniger als 50% der Kinder anwesend. Zu Beginn des Jahres 2022 war der Anteil betreuter Kinder hingegen wesentlich höher. Dies kann als Indiz dafür gelesen werden, dass eine infektionsbedingte Schließung einzelner Gruppen den landesweiten Zugangsrestriktionen, welche vor einem Jahr gegolten hatten, deutlich überlegen ist – zumindest was die Chance angeht, dass möglichst viele Kinder ihre Kindertageseinrichtung besuchen können.

Der Anteil des direkt am Kind eingesetzten Personals war hingegen in den beiden Vergleichszeiträumen recht ähnlich und lag zum Jahresbeginn 2021 bei 73 bis 77% und Anfang 2022 nach einem kurzen Hoch mit 87% in der KW 02 (10.01.–16.01.2022) bei 77 bis 79%. Mit 10 bis 12% war Anfang 2021 der Anteil des coronabedingt nur mittelbar einsetzbaren Personals im Vergleich zum Jahresbeginn 2022 (1 bis 2%) sehr hoch.

Zum Jahresstart 2021 wurden demnach deutlich weniger Kinder von ähnlich viel Personal betreut. Zudem stand ein beträchtlicher Anteil des nicht direkt eingesetzten Personals im Hintergrund, bspw. für Vor- und Nachbereitungsaufgaben und Dokumentationen, zur Verfügung. 2022 fiel diese Reserve fast völlig weg – und dies bei einem wesentlich höheren Anteil an zu betreuenden Kindern. In der fünften Welle der Pandemie betreuten etwa gleich viele pädagogisch Beschäftigte deutlich mehr Kinder – gleichzeitig waren die Infektionszahlen so hoch wie noch nie, was die Umsetzung von mehr Schutzmaßnahmen sowie den Umgang mit ständigen Veränderungen durch Quarantäne und Schließungen notwendig machte. Die aus dieser besonderen Situation resultierende Belastung für die Einrichtung zeigte sich an zwei Entwicklungen: Zum einen stieg der Anteil des Personals, das sich Anfang 2022 im Urlaub befand, rasch an. Zum anderen verschlechterte sich das ebenfalls im KiTa-Register abgefragte Stimmungsbild seit Jahresbeginn 2022 deutlich – seit dem Update dieser Befragung in der KW 23 (07.06.–13.06.2022) wurde es noch nie als so schwer eingeschätzt, derzeit eine bedarfsgerechte Betreuung anbieten zu können (Höchstwert von 3,4 in der KW 6; 07.02.–13.02.2022). Es kann davon ausgegangen werden, dass während der fünften Welle eine sehr angespannten Lage innerhalb der Einrichtungen vorherrschte.